Erschienen in Ausgabe 7-2018Politik & Regulierung

Swiss Life

Verstaubt, träge, unflexibel. Die Versicherungsbranche hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Auch mangelnde Innovationsbereitschaft wird ihr nachgesagt.  Zurecht?

Von Amar BanerjeeVersicherungswirtschaft

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Um die Frage nach der Innovationsbereitschaft oder gar -fähigkeit in der Versicherungsbranche beantworten zu können, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit: Die 80er und 90er gelten als goldene Jahre der Assekuranz. Die Zinsen sind anständig, die klassische Lebensversicherung rechnet sich – für Kunden und Anbieter. Für alle bleibt ein Stück vom Kuchen – warum also einen neuen backen? Höchstens hier mal ein marginales Tarifupdate, da mal einen Kostensatz angepasst, und schon ist alles wieder im Lot. Wer damals doch mal ein neues Produkt auf den Markt bringen will, muss sich das von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigen lassen. Die Branche ist streng reguliert. Es fehlen also sowohl die Möglichkeiten als auch die Anreize zur Innovation – bis 1994. In diesem Jahr beginnt die Deregulierung. Die Branche wird in die Freiheit entlassen: Statt einer behördlichen Vorabkontrolle gibt es nun eine nachträgliche Missbrauchsaufsicht. Damit kommt Bewegung in den Markt. Neue Versicherer aus anderen EU-Ländern treten auf den Plan und fondsgebundene Produkte entstehen, die aber zunächst nur eine Randerscheinung sind.
Erste Vorzeichen des heute andauernden Tiefzinsumfeldes deuten sich bereits damals schon an. Um im klassischen Geschäftsmodell weiterhin wettbewerbsfähige Überschussbeteiligung bieten zu können, engagieren sich die deutschen Lebensversicherer deshalb zunehmend an den Aktienmärkten. Dieser Strategie setzt der Börsencrash im Jahr 2000 ein brutales Ende: Unmengen an Reserven verpuffen, auch bei den Lebensversicherern. Im gesamten Markt beginnt nun die Zinsüberschussbeteiligung abzurutschen, und einzelne Anbieter geraten sogar in existenzbedrohende Schwierigkeiten. Spätestens jetzt wird offensichtlich: Die Branche muss umdenken und innovativer werden. Fondsgebundene Produkte mit Garantien kommen auf den Markt. Verstärkt wird dieser Trend durch die Politik: 2002 tritt das Altersvermögensgesetz in Kraft, das einen Paradigmenwechsel in der Geschichte der Altersvorsorge darstellt. Riester kommt, kurze Zeit später wird die Besteuerung der Alterseinkünfte umgestellt, und Ende 2004 kippt das Steuerprivileg der Kapitallebensversicherung. Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten unterstreichen die Bedeutung eines professionellen Portfolio-Managements, und die Produktlandschaft diversifiziert sich. Die Assekuranz bringt zunehmend moderne Garantieprodukte auf den Markt: Fondspolicen mit Garantiefonds, 3-Topf-Hybride, Indexpolicen und später…