Stefan M. Knoll: „Wo wollen Sie nachhaltig investieren, wenn jeden Tag neue moralische Heckenschützen neue Ziele ausmachen.“
Stefan M. Knoll: „Wo wollen Sie nachhaltig investieren, wenn jeden Tag neue moralische Heckenschützen neue Ziele ausmachen.“Quelle: © Deutsche Familienversicherung
Erschienen in Ausgabe 7-2018Märkte & Vertrieb

"Individualisierung von Versicherungsschutz ist Augenwischerei"

Stefan M. Knoll, Gründer der Deutschen Familienversicherung, über vorgegaukelte Moral in Wirtschaft und Politik

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Der Verkauf der Lebensversicherungssparte eines großen deutschen Versicherers hat die Gemüter erhitzt, ist aber letztlich von der Bafin als rechtens erklärt worden. Dennoch bleibt ein Gschmäckle, ob man mit dem sauer Erparten von Otto Normalbürger so verfahren darf. Haben Sie dazu eine Position?

Dr. Stefan M. Knoll: Ich kommentiere das Geschäftsgebaren meiner Mitbewerber grundsätzlich nur, soweit es mich oder mein Unternehmen betrifft. Jene Lebensversicherer, die ihre Bestände an einen Dritten verkauft haben, werden dafür Ihre Gründe gehabt haben. Tatsächlich aber fördert die Abgabe deutscher Lebensversicherungsbestände an Dritte, die mit sehr viel Investorengeld ausgestattet sind, meist aus China, nicht das Vertrauen in deutsche und europäische Lebensversicherer. Ich sage das, weil die Deutsche Familienversicherung Versicherungsprodukte anbietet, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert sind und es wäre mir nicht recht, wenn man uns fragen würde, ob wir denn auch beabsichtigen, wenn die Leistungsfälle gehäuft kommen, die Pflegeversicherungsbestände zu verkaufen. Das werden wir als deutsches Unternehmen natürlich nicht tun. Aber glaubwürdig zu sein entfaltet nur dann seine Wirkung, wenn man einem auch geglaubt wird. Und das funktioniert nur, wenn man in eine Branche der Glaubwürdigkeit eingebunden ist. Vor diesem Hintergrund empfinde ich es als unglücklich, wenn chinesischen Investoren Teile der Deutschen Altersversorgung anvertraut werden.

Sie haben keine Altersvorsorge- und Produkte für den Fall des Todes des Hauptverdieners (Risikoleben) im Angebot, obwohl das für Familien im weitesten Sinne natürlich wichtig ist. Wie kommt das? Täuscht der Name Deutsche Familienversicherung da nicht ein wenig?

Da gebe ich zunächst eine ganz formale Antwort. Die Deutsche Familienversicherung ist das Ergebnis einer privaten Initiative von zwei Unternehmern, die ihr vorher verdientes Geld in einen neu gegründeten Versicherer investiert haben. Auch wenn die Gründung eines Versicherungsunternehmens viel Geld benötigt, waren unsere Finanzmittel im Ergebnis doch sehr begrenzt. Folglich mussten wir einen Schwerpunkt bilden und der bestand in der Gründung eines Sachversicherers. Nur einem Sachversicherer ist es erlaubt auch Krankenzusatzversicherungen anzubieten, auch solche, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert sind. Mit der Gründung eines Dachversicherers haben wir also, für die mit unseren finanziellen Mitteln verbundenen Möglichkeiten…