Erschienen in Ausgabe 7-2018Unternehmen & Management

Auf Messers Schneide

Bei einem harten Brexit drohen Millionen von Versicherungsverträgen zu platzen

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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Was hat die Lage an der Grenze zwischen Irland und Nordirland mit der europäischen Wirtschaft zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Denn im EU-Binnenmarkt spielt diese Grenze keine Rolle - jedenfalls bisher.  Doch das könnte sich nach dem Brexit am 29. März 2019 schlagartig ändern. Wenn sich Briten und Europäer nicht einigen, droht zwischen Irland und Nordirland eine neue, „harte“ Grenze, die den Warenverkehr behindern würde.  Weil das niemand will, aber auch keine Einigung über die historisch und politisch heikle Grenzfrage in Sicht ist, sind nun die Austritts-Verhandlungen zwischen Europäern und Briten in einer Sackgasse gelandet. Sogar der für Herbst 2018 geplante Scheidungsvertrag ist in Gefahr. Ohne einen Brexit-Deal würde jedoch große Rechtsunsicherheit einkehren. Deshalb werden Unternehmen und Verbände nervös - auch in der Versicherungsbranche. 
„Die Gefahr ist groß, dass Brüssel und London am 29. März 2019 mit leeren Händen dastehen“, klagt der Bundesverband der Deutschen Industrie. Zwei Jahre nach dem Referendum steuere das Vereinigte Königreich „ungebremst auf einen ungeordneten Brexit zu.“  Für viele Unternehmen hätte dies ernste Folgen.

Ûnternehmen drohen mit Rückzug aus Großbritannien

Der Airbus-Konzern droht schon mit Rückzug und warnt, in Großbritannien stünden bis zu 100.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Auch BMW hat vor einem harten Brexit gewarnt. Ohne ein Abkommen müsse man Alternativpläne machen. Der für Großbritannien zuständige Siemens-Repräsentant Jürgen Maier kritisierte die Rhetorik einiger Brexiteers im Kabinett, die etwa von "einer Schlacht mit Europa" gesprochen hätten. Dies sei nicht hilfreich für die Brexit-Verhandlungen. Für Siemens ist Großbritannien der viertgrößte Markt nach den USA, Deutschland und China. Der Konzern beschäftigt dort rund 15.000 Mitarbeiter. "Meine größte Sorge ist, dass wir nicht wissen, worauf wir uns vorbereiten sollen", sagt Maier. 
Sogar die Versicherungsbranche schlägt Alarm. Brüssel und London müssten alles unternehmen, um Schaden von den Unternehmen abzuwenden, fordert der Dachverband der europäischen Versicherer, Insurance Europe. Bisher sei unklar, was nach dem Brexit mit vielen Versicherungs-Policen geschehe, warnt Steve White, Chef der British Insurance Brokers’ Association. „Wird es zu einer Welle von Kündigungen kommen?“ so Whites bange Frage.
Das Problem könnte sehr viele Kunden treffen. Die Bank of England schätzt, dass 30 Millionen Verträge in der EU und weitere 6 Millionen in…