Großprojekt für mehr Transparenz: Wenngleich es sich um einen Rechnungslegungsstandard handelt, wirkt sich der IFRS 17 nicht nur auf das Rechnungswesen aus, sondern nimmt signifikanten Einfluss auf das Aktuariat und die IT.
Großprojekt für mehr Transparenz: Wenngleich es sich um einen Rechnungslegungsstandard handelt, wirkt sich der IFRS 17 nicht nur auf das Rechnungswesen aus, sondern nimmt signifikanten Einfluss auf das Aktuariat und die IT.Quelle: Lane Erickson/ Fotolia
Erschienen in Ausgabe 6-2018Politik & Regulierung

Zwischen den Fachzonen

Mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung von IFRS 17 stellen sich weltweit über 450 Versicherer weitreichenden organisatorischen, prozessualen und IT-architektonischen Challenges. Bis zur Erstanwendung bleibt noch Zeit, doch erste Hebel müssen schon jetzt betätigt werden. Ein Leitfaden.

Von Hans Peter Hochradl und Michael Koch und Sven SchilloVersicherungswirtschaft

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Was lange währt, wird endlich … fertig. Nach gut 20 Jahren Er- und Überarbeitungsdauer veröffentlicht das IASB den IFRS 17 Rechnungslegungsstandard zu Ansatz, Bewertung und Ausweis von Versicherungsverträgen. Heute, etwas mehr als ein Jahr nach der Veröffentlichung, blicken wir auf weltweit über 450 Versicherungsunternehmen, die sich durch den IFRS 17 Standard mitunter vor weitreichende organisatorische, prozessuale und IT-architektonische Herausforderungen gestellt sehen. In Deutschland gibt es ca. 15 Programme in denen IFRS 17 implementiert wird, davon knapp die Hälfte bei Erst- und Rückversicherungsunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Auch wenn sich einzelne Parteien eine Verschiebung wünschen, gehen wir von einer Erstanwendung des neuen Standards zum 01. Januar 2021 aus.

Einflüsse auf Aktuariat und IT

Wenngleich es sich um einen Rechnungslegungsstandard handelt, wirkt sich der IFRS 17 nicht nur auf das Rechnungswesen aus, sondern nimmt signifikanten Einfluss auf das Aktuariat und die IT. Herausforderungen rund um die Themenkomplexe Stakeholder, Produkt, Personal, Projektmanagement, Kapital & Risiko sowie Prozesse & IT verknüpfen diese Bereiche miteinander.

Stakeholder: Der Standard hat das Ziel, die Transparenz der Berichterstattung zu erhöhen. Dies kann zur Offenlegung von „Schwachstellen“ führen. Sowohl interne (Geschäftsbereiche) als auch externe Stakeholder (z.B. Anteilseigner) sind daran interessiert, die Auswirkungen auf Bilanz und GuV frühzeitig zu verstehen. Durch frühzeitige Analysen mit Hilfe von Testrechnungen lassen sich diese Auswirkungen identifizieren und entsprechende Gegenmaßnahmen aufsetzen.

Produkt: Bei Produktportfolien oder Produktgruppen mit geringer Profitabilität oder verlustträchtigem Geschäft ist zu prüfen, ob die damit verbundenen Ausweispflichten zu Änderungsbedarfen bei einzelnen Produkten führen. Zudem ist insbesondere bei Produkten, bei denen nicht alle Bestandteile nach IFRS 17 bewertet werden dürfen, sicherzustellen, dass sich die restlichen Komponenten möglichst gut abtrennen lassen und eine separierte Bewertung nach IFRS15 bzw. IFRS 9 erfolgen kann.

Personal: Ressourcen mit Expertise im IFRS 17 Umfeld sind rar gesät. Erforderliches Know-how wird derzeit in vielen Häusern initial aufgebaut. Entscheidend ist, rechtzeitig mit dem Wissenstransfer von Umsetzungsprojekt hin zu Fachabteilungen zu beginnen. Durch dedizierte Projektressourcen, die als Multiplikator ihr Know-how in die Fachabteilungen transferieren…