Quelle: Jo/LloydsofLondondownwards/ Flickr.com
Erschienen in Ausgabe 6-2018Märkte & Vertrieb

Zeit für die nächste Stufe

Mehrmals stand der Versicherungsmarkt Lloyd’s in der Vergangenheit kurz davor, an extremen Schäden zu zerbrechen. Nun kommen neben den zähen Brexit-Verhandlungen unsichere politische Verhältnisse hinzu. Eine Agenda zur digitalen Erneuerung soll Abhilfe schaffen. Gelingt der Umbruch?

Von Michał Trochimczuk und Grzegorz PodleśnyVersicherungswirtschaft

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Für die Mitarbeiter bei Lloyd’s ist es zur Routine geworden, in Katastrophen zu denken.  In der Vergangenheit waren es Schäden und ein nicht immer durchdachter Umgang mit diesen, die an der Überlebensfähigkeit des Versicherungsmarktes haben Zweifel aufkommen lassen: Die Asbest-Krise und der Anschlag auf das World Trade Center haben der Liebe der Lloyd’s-Underwriter für schwarzen Humor Nahrung gegeben. Doch jetzt sind es zwei vollkommen neue Herausforderungen, vor denen man in London steht. Es handelt sich zum Ersten um den Brexit und die richtige Antwort darauf. Hinzu kommen die Digitalisierung und ein neues Geschäftsmodell. Das Target Operating Model, kurz TOM, wird von vielen Marktteilnehmern eher als Bedrohung wahrgenommen. Die Digitalisierung ist ein Riesenschritt für die Marktteilnehmer. Derzeit ist es noch Usus, das Geschäft beim Mittagessen bei einer guten Flasche Wein zu besprechen und dann auf der Basis von Papier zu tätigen. Seit ein paar Monaten dürfen Lloyd´s-Mitarbeiter keinen Wein mehr zum Mittagessen trinken, Vorzeichen einer Kulturrevolution?

Der Brexit hat nur eine scheinbare Atempause bekommen. Es ist mehrfach angemerkt worden, dass die längere Übergangsphase nichtig wird, falls es Großbritannien und der Europäischen Union nicht gelingt, eine Einigung über die Modalitäten und Konsequenzen des Brexit zu erzielen. Auf dem Versicherungsmarkt Lloyd’s mit seinen 85 Syndikaten wurden im vergangenen Jahr umgerechnet 38,4 Mrd. Euro an Prämien gezeichnet. 14 Prozent des Geschäfts zeichnen die Syndikate von Lloyd’s in Kontinentaleuropa.

Eiopa unterbindet Geschäft via Briefkastenfirmen

Lloyd’s wird nach aktuellen Plänen am 1. Januar 2019 eine Tochtergesellschaft in Brüssel starten. Anfang März wurden alle Zeichnungsbevollmächtigten benachrichtigt, kontinentaleuropäisches Geschäft für das Jahr 2019 ausschließlich bei der Tochtergesellschaft in Brüssel einzureichen. Jüngsten Ankündigungen zufolge werden 40 Mitarbeiter in dem Brüsseler Büro von Lloyd’s tätig sein. Der Großteil der Verwaltungsaktivitäten wird weiterhin in London ausgeführt, wo 700 Mitarbeiter angestellt sind.

Ungefähr 80 Versicherer machen von Großbritannien aus Geschäft in der Europäischen Union. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa möche verhindern, dass britische Versicherer sich auf Briefkastenfirmen in der Europäischen Union beschränken, die das Geschäft fronten und ohne großen bürokratischen Aufwand nach London zedieren. Gabriel Bernardino, Vorsitzender von Eiopa, hat im…