Erschienen in Ausgabe 6-2018Märkte & Vertrieb

Wertgesteuert

Wie Vertrieb und Risikomanagement in Zeiten von IDD, Solvency II und Co. effizient miteinander verzahnt werden

Von Claus Peter Hendricks und Dr. Alexander Mägebier und Gregor MorinVersicherungswirtschaft

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In den letzten Jahren hat sich die Regulierung durch den Gesetzgeber zum Dauerbrenner für Versicherungsunternehmen entwickelt. Solvency II führte dabei zur Einführung umfassender Anforderungen an eine risikoorientierte Unternehmenssteuerung. Die IDD strebt insbesondere bei Versicherungsanlageprodukten die Vermeidung von Interessenskonflikten und damit eine Qualitätsverbesserung der Beratung an. Mit LVRG II steht bereits die nächste Neuerung vor der Tür, und diese wird die Provisionshöhe von Lebensversicherungen in den Fokus nehmen.

In den Umsetzungsprojekten der Versicherer werden die regulatorischen Anforderungen dabei weitestgehend isoliert betrachtet und implementiert. Beispiele hierfür wären die Neustrukturierung des Vergütungsmodells im Rahmen eines IDD-Projekts und der Aufbau eines Risikolimitsystems im Zuge der Solvency-II-Implementierung. Im Bereich Vergütung werden unter anderem aufwandsbasierte Komponenten und Qualitätsmerkmale ergänzt. Parallel wird die Weiterentwicklung eines Enterprise Risk Management vorangetrieben. Auf Basis eines vorab definierten Risikoappetits werden dabei Risikolimite auf Risikomodulebene und operative Risikolimite abgeleitet.

Chancen einer ganzheitlichen Umsetzung bleiben ungenutzt

Diese isolierte Betrachtung der aktuellen Herausforderungen stellt zwar die Erfüllung einzelner regulatorischer Anforderungen sicher. Die Chancen einer ganzheitlichen Umsetzung bleiben dabei aber ungenutzt. Im schlimmsten Fall kann eine Fehlsteuerung erfolgen, in dem zum Beispiel Vergütungsmodelle Anreize setzen, die nicht mit den operativen Risikolimiten in Einklang stehen. Solche Fehlanreize wären zudem nicht konform mit Solvency II.

Spätestens mit der Einführung von Solvency II sind Neustrukturierungen des Vergütungsmodells und Weiterentwicklungen der Vertriebsstrategie grundsätzlich mit der Risikostrategie in Einklang zu bringen. Daher ist eine Umsetzung der einzelnen regulatorischen Initiativen nur dann umfassend wertorientiert möglich, wenn mögliche Wechselwirkungen beachtet und abgestimmt werden.

Auf operativer Ebene wird daher die Vertriebssteuerung mit dem Risikomanagement verzahnt. Bei der Entwicklung mehrdimensionaler Vergütungsmodelle werden somit nicht nur die Art der Vergütung und die Messgrößen definiert, sondern auch die Auswirkung auf die Risikosituation des Versicherers betrachtet. Damit wird eine von Solvency II geforderte Verknüpfung von Geschäftsentscheidungen mit der eigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung (ORSA…