Erschienen in Ausgabe 6-2018Unternehmen & Management

Geplatzter Traum

Privatisierungsprojekte der staatlichen Gesundheitsversorgung Spaniens stehen vor dem Ende

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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„Es soll niemand glauben, dass diese Verträge verlängert werden“, sagt die Gesundheitsministerin der Autonomen Gemeinschaft Valencia Carmen Montón. Die Rede ist vom einstigen Hoffnungsträger der spanischen Krankenversicherer, dem Public-Private-Partnership in der staatlichen Gesundheitsversorgung in der Mittelmeerregion Valencia. Mit dem Wechsel der dortigen Regionalregierung 2015 sind die Träume der Branche jedoch abrupt geplatzt. Damals verlor die rechtsgerichtete und privatisierungsfreundliche Partei Partido Popular (PP) ihre jahrzehntelange absolute Mehrheit. An die Macht kam eine Koalition aus den Linksparteien PSOE und Compromís, die Privatisierungen im Gesundheitsbereich vehement ablehnt und beenden will. Alle Projekte sollen abgewickelt und die Gesundheitsversorgung schnellstmöglich wieder komplett an die öffentliche Hand gehen. Die Autonome Gemeinschaft Valencia war während der Regierungszeit der PP seit dem Jahr 1999 Vorreiter bei der Zusammenarbeit zwischen der in Spanien regional organisierten öffentlichen Gesundheitsversorgung und privaten Betreibern. Es wurde das Management von fünf Verwaltungsdistrikten der Region auf private Betreiber übertragen. Akteure auf der privaten Seite waren die Gesellschaft Ribera Salud und führende Krankenversicherer Spaniens.

DKV soll Konzession vorzeitig beenden

Den Anfang machte 1999 Adeslas, der mit Ribera Salud im Verwaltungsdistrikt Alzira das Gesundheitsmanagement der dortigen Bevölkerung übernahm. Das so genannte "Alzira-Modell" war die Blaupause, nach dem auch die vier darauf folgenden Projekte dieser Art durchgeführt wurden. Es folgten in 2006 das Engagement des Krankenversicherers Asisa im Urlauberzentrum Torrevieja und das der spanischen DKV-Tochter DKV Seguros im Verwaltungsdistrikt Denia. Mit von der Partie war auch der Branchenzweite Sanitas. Die BUPA-Tochtergesellschaft engagierte sich 2009 im Distrikt Manises. Das jüngste Projekt startete in 2009 in Vinalopó-Elche unter Beteiligung der Asisa. Das Grundprinzip ist die Investition in den Bau von Gesundheitseinrichtungen durch den privaten Partner, der im Gegenzug eine Konzession für den Betrieb der öffentlichen Gesundheitsversorgung im jeweiligen Distrikt von meist 15 Jahren erhält. Die Regionalregierung zahlt den privaten Betreibern je Einwohner des jeweiligen Verwaltungsdistrikts einen Pauschalbetrag.

Bei der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Gesundheitsversorgung und privaten Gesellschaften profitieren beide Seiten. Die privaten Betreiber…