Frank Grund, Bafin: „Grundsätzlich scheinen von der Versicherungsbranche – aufgrund eher langfristiger Verpflichtungen, denen auch langfristige Kapitalanlagen gegenüberstehen – geringere Gefahren auszugehen als von Banken."
Frank Grund, Bafin: „Grundsätzlich scheinen von der Versicherungsbranche – aufgrund eher langfristiger Verpflichtungen, denen auch langfristige Kapitalanlagen gegenüberstehen – geringere Gefahren auszugehen als von Banken."Quelle: © Bernd Roselieb / BaFin
Erschienen in Ausgabe 6-2018Politik & Regulierung

„Es ist zu begrüßen, dass sich die Wissenschaft mehr einbringt“

Perspektiven und Postulate von Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungsaufsicht bei der Bafin

Von Versicherungswirtschaft

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Zur Versicherungswissenschaft:

Kürzlich habe ich bei einer Veranstaltung der Geneva Association ein Panel zu einem strategisch wichtigen Thema der Versicherungswirtschaft beobachtet. Die Wissenschaft wurde dort vertreten von einem Harvard Law Professor – mit Schwerpunkt Bankenrisiken. Die deutsche oder europäische Versicherungswissenschaft tauchte bei dieser Veranstaltung – wie auch bei vielen anderen Veranstaltungen dieser Art – nicht auf. Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt, wie die deutsche und europäische Versicherungswissenschaft mehr visibel werden kann.

Die Dynamik der ökonomischen, technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stellt alle Beteiligten vor die Herausforderung, sich abzeichnende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und für sich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es gibt einige Fragen, die es wert sind, weiter vertieft zu werden – aus aufsichtlicher und wissenschaftlicher Sicht. Hierzu zählen beispielsweise die Weiterentwicklung von Solvency II, insbesondere die Überprüfung der sog. LTG-Maßnahmen, die Frage nach den von der Versicherungsbranche ausgehenden systemischen Risiken und nicht zuletzt die Digitalisierung. Ich würde es begrüßen, wenn sich die Versicherungswissenschaft in diesen Bereichen stärker einbrächte und wir diese Themen mit der deutschen und europäischen Versicherungswissenschaft noch intensiver diskutieren könnten.

In der LTG-Arbeitsgruppe setzt sich die BaFin stark für den Erhalt der Übergangsmaßnahmen ein, die bekanntlich ein großer Teil der deutschen Lebensversicherer nutzt. Bislang wirken die Übergangsmaßnahmen gut, d.h. sie gewährleisten einen reibungslosen Übergang der Alt-Bestände auf Solvency II. Sollten die laufenden Überprüfungsverfahren aber zu einer Erhöhung der Kapitalanforderungen für Alt-Bestände führen, wäre die Wirkung der Übergangsmaßnahmen zu überprüfen und ggf. zu stärken. Wir müssen im Rahmen des LTG-Review auf Basis einer sachlichen Analyse argumentieren – und hier kann die Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag leisten.

„Die Dynamik der ökonomischen, technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stellt alle Beteiligten vor Herausforderungen"
Frank Grund
Ein weiteres Beispiel ist die Frage nach den von der Versicherungsbranche ausgehenden systemischen Risiken: Grundsätzlich scheinen von der Versicherungsbranche – aufgrund eher langfristiger Verpflichtungen, denen auch langfristige Kapitalanlagen gegenüberstehen – geringere Gefahren auszugehen als von Banken. Vor diesem Hintergrund…