Erschienen in Ausgabe 6-2018Köpfe & Positionen

Der glückliche Vertreter

„Schon vor vielen Jahren habe ich mich geweigert, in die Schublade der Treppenterrier und Klinkenputzer abgeschoben zu werden.“

Von Klaus HermannVersicherungswirtschaft

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In allen mir bekannten deutschen Statistiken zur Beliebtheit von Berufen ist der Versicherungsvertreter zuverlässig auf dem letzten Platz. Noch weit hinter Politikern und dem Trainerposten beim Hamburger Sport Verein. Das hat sich unsere Branche in der Vergangenheit hart erarbeitet. Das „Abgrasen“ der neuen Bundesländer nach 1989, „Last Call“ Schnellschüsse und Abschlüsse in der Lebensversicherung   oder die Budapester Festspiele mit Armbändchen und Stempelkissen. Nicht nur diese Ereignisse waren Garanten dafür, dass wir die rote Laterne in den letzten Jahrzehnten so sicher hatten wie Donald Trump sein tägliches Fettnäpfchen.

Unser verbesserungswürdiges Image ist sicherlich auch ein Hauptgrund dafür, weshalb sich Verbraucherschützer und Politiker derzeit  auf unseren Berufsstand stürzen als hätten wir den Klimawandel, die Nahost Krise und Helene Fischer zu verantworten. Die aktuellen Diskussionen und Regularien aus Brüssel und Berlin lassen die Vermutung zu, als wolle man den Versicherungsvertreter dem gleichen Schicksal zuführen wie es das nördliche Breitmaulnashorn gerade erlebt. Denen ist nämlich jüngst das letzte Männchen weggestorben. Da wird eine weitere Existenz der Gattung zur Herausforderung.   

Und trotzdem behaupte ich, dass ich ein glücklicher Versicherungsvertreter bin. Der neutrale Betrachter wird an dieser Stelle vermuten, dass ich auch gerne auf dem Nagelbrett schlafe oder mir Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ ansehe, um meinen vermeintlichen Wunsch nach Schmerzen zu erfüllen. Weit gefehlt.

Worauf wartet unsere Branche eigentlich noch?

Schon vor vielen Jahren habe ich mich geweigert, in die Schublade der Treppenterrier und Klinkenputzer abgeschoben zu werden. Ich bin kein „Versicherungsfuzzi“. Ich kümmere mich um Existenzen und begegne jedem Kunden auf Augenhöhe. Ich bin nicht lästig, sondern wichtig. Wer das nicht versteht ist bei mir falsch. Und vor allem bin ich ein leidenschaftlicher Versicherungsvertreter. „Ich arbeite, um zu leben“ - ein für mich unvorstellbares Lebensmotto. Der Deutsche verbringt deutlich mehr Zeit in seinem Job als mit der eigenen Familie. 23 bis 27 Jahre seines kostbaren Lebens ist der Arbeitsplatz der Partner. Die Zeit will ich nicht verschwenden. Ich bin keiner, der am Montagmorgen bei Facebook postet „Jetzt noch 5 Tage bis zum Wochenende“ und Mittwochmittag gleichsam öffentlich das Bergfest feiert. Ich gehöre auch nicht zu den Mittvierzigern, die schon das sprichwörtliche Maßband in der Tasche haben. Ich bin der…