Jochen Pimpertz, DIW
Jochen Pimpertz, DIWQuelle: DIW
Erschienen in Ausgabe 6-2018Trends & Innovationen

"Es wird darauf ankommen, ökonomisch vorteilhafte Innovationen anzustoßen"

Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems

Von Dr. Jochen PimpertzVersicherungswirtschaft

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Ist das deutsche Gesundheitssystem zukunftsfähig?

Aus ökonomischer Perspektive geht es dabei vor allem um die Finanzierung medizinischer Leistungsansprüche im demografischen Wandel. Während bei der Alterssicherung längst eine Drei-Säulen-Strategie etabliert ist, ruhen die Erwartungen bei der medizinischen Versorgung für einen Großteil der Bevölkerung immer noch auf der umlagefinanzierten Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Aber die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge wird auch hier zu wachsenden Ausgaben führen. Denn die Altersgruppen mit typischerweise hohen Gesundheitsrisiken werden künftig immer häufiger besetzt sein. Die daraus resultierenden zusätzlichen Finanzierungserfordernisse belasten die Beitragszahler der nachrückenden, jüngeren Kohorten überproportional stark. Ob diese intergenerative Lastverschiebung dauerhaft finanzierbar ist, geschweige denn durch das Solidaritätsprinzip in der GKV legitimiert wird, gilt es mit zunehmender Dringlichkeit zu diskutieren. Die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems hängt deshalb auch davon ab, die medizinische Versorgung bei gleichbleibender Qualität effizienter zu organisieren. Werden Innovationen im Gesundheitssystem bislang vor allem hinsichtlich medizinischer Zusatznutzen beurteilt, wird es vor dem Hintergrund steigender Finanzierungserfordernisse künftig verstärkt darauf ankommen, auch ökonomisch vorteilhafte Innovationen anzustoßen. Dabei stellt sich immer dringlicher die Frage, ob die Institutionen des deutschen Gesundheitssystems hinreichend innovationsfähig sind, um mit den Entwicklungen von Google und Co. Schritt halten zu können.

Was halten Sie von der immer wiederkehrenden Debatte um die Dualität?

Die private Krankenvollversicherung (PKV) steht hierzulande für den Gegenentwurf zur umlagefinanzierten GKV. Ihre Leistungsversprechen sind kapitalgedeckt finanziert. Man mag darüber diskutieren, ob das Modell effizienter ist als das Umlageverfahren. Das ist aber in einer alternden Bevölkerung nicht die Kernfrage. Vielmehr geht es darum, intergenerative Lastverschiebungen zu begrenzen, wenn die Akzeptanz einer auf dem Solidaritätsprinzip beruhenden Sozialversicherung nachhaltig gesichert werden soll. Genau hier leistet die PKV einen wichtigen Beitrag, weil Umverteilungswirkungen zwischen Alt und Jung in der kapitalgedeckten Alternative dem Grundsatz nach ausgeschlossen sind.Darauf hinzuweisen ist wichtig, weil die Debatte über die Dualität vor allem verteilungspolitisch motiviert wird. Der…