Ein Pakt auf Gegenseitigkeit: Für Wladimir Putin ist die WM eine Bühne für seine Propagandashow, für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist sie eine Gelegenheit den Weltverband "mal wieder von einer anderen Sicht zu zeigen" - und nicht nur im Zusammenhang mit Korruption.
Ein Pakt auf Gegenseitigkeit: Für Wladimir Putin ist die WM eine Bühne für seine Propagandashow, für FIFA-Präsident Gianni Infantino ist sie eine Gelegenheit den Weltverband "mal wieder von einer anderen Sicht zu zeigen" - und nicht nur im Zusammenhang mit Korruption.Quelle: ©picture alliance / dpa
Erschienen in Ausgabe 6-2018Schlaglicht

Die Welt zu Gast bei Putin

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Roman Abramowitsch bekommt einen Anruf von seinem Arzt. „Sie haben mich anscheinend missverstanden als ich ihnen riet, sich mehr mit Sport zu beschäftigen.“ So lautet eine russische Anekdote über den Öl-Milliardär, der 2003 für 210 Mio Euro. den Londoner Fußballklub FC Chelsea kaufte. Nach sieben Trainerwechseln und mehr als 869 Mio. Euro gezahlter Ablösesummen mauerten sich die Engländer 2012 zum glücklichen Sieg der Champions League gegen den FC Bayern München. Geld schießt nach wie vor Tore – zumindest auf Vereinsebene. Bei Nationalmannschaften trifft das nur bedingt zu. Käuflich mögen vielleicht die WM-Austragungsorte sein, ein Titelgewinn ist es ganz sicher nicht. Russland kann sich indes bereits als Weltmeister der Ausgaben küren. Rund zehn Mrd. Euro lässt sich der Kreml nach letzten offiziellen Angaben die neuen Stadien und den Ausbau der Infrastruktur kosten. Zur Demonstration des Weltmachtstatus ist das Geld da. Russlands Devisenreserven summieren sich auf fast eine halbe Billion Dollar, die Staatsverschuldung macht gerade einmal 16 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Durch den Anstieg der Ölpreise dürfte die Staatskasse wieder praller werden. Doch der Westen zieht die Sanktionsschrauben gegen Moskau immer fester an. Geschäfte mit sieben Oligarchen und zwölf von ihnen beherrschte Firmen sind nun verboten. Dabei sind die meisten russischen Banken und Unternehmen schon lange vom billigen Geld aus dem Ausland abgeschnitten und müssen sich bei heimischen Finanzinstituten überteurte Kredite aufnehmen, die sie später nicht zurückzahlen. Eine Pleitewelle bedroht die gesamte Volkswirtschaft. Seit 2008 ist die Anzahl der Banken in Russland um die Hälfte geschrumpft. Dass die Anzahl der Versicherer stark gesunken ist, liegt indes weniger an der Finanzkrise oder den Sanktionen.

"Wir verstehen die Struktur nicht, das Land ist zu groß und wir sind dafür nicht ausgerüstet."
Peter Hagen, ehemaliger VIG-Chef

Sowohl das Versicherungs- als auch das Bankwesen wurden erst im Zuge der wirtschaftlichen Transformationsphase Anfang der 90er Jahre geschaffen. Von 1921 bis1947 war Gosstrakh der Staatsversicherer. Bis zum Ende der Sowjetunion war dann  Rosgosstrakh der Monopilist. Daneben gab es noch den Risikoträger Ingosstrakh, zuständig für internationale Geschäfte. Beide Unternehmen wurden 1992 teilprivatisiert. Im gleichen Jahr waren insgesamt 900 Versicherer auf dem Markt registriert, 1996 existierten bereits 2.217 Versicherer. Nach und nach wurden jedoch…