Erschienen in Ausgabe 6-2018Märkte & Vertrieb

Schwer zu greifen

Versicherer hadern mit geringen Erfahrungswerten in der Cyberversicherung

Von Markus HeyenVersicherungswirtschaft

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Trotz des steigenden Bekanntheitsgrades von Cyber-Angriffen und der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit steigt die Anzahl der Cyber-Vorfälle stetig weiter an. Die Täter erbeuten häufig Daten, insbesondere Kundendaten – und das in Millionenhöhe. Doch nicht nur der direkte Datendiebstahl, sondern auch der Zugang zu gesicherten Systemen und daraus resultierende Spionage- oder Erpressungstätigkeiten sind ein Ziel der Angreifer. Dabei sind sowohl Privatpersonen, als auch der Mittelstand bis hin zum Großunternehmen betroffen – und auch die deutsche Bunderegierung kann sich vor der unbekannten Gefahr aus dem Netz nicht schützen. Erst Anfang des Jahres war der Hack auf das deutsche Regierungsnetzwerk in den Schlagzeilen. Unter dem Einsatz von Schadsoftware wurden Daten erbeutet – der genaue Umfang ist weiterhin unklar, die Sicherheitslücke wurde erst Monate später geschlossen.

Angebot überschaubar

Steigenden Sicherheitsmaßnahmen und verbesserter Sicherheitstechnik stehen auch immer ausgefeiltere Angriffstechniken gegenüber. Die entsprechenden Sicherheitslecks müssen identifiziert, analysiert und geschlossen werden. Bei dem verbleibenden Risiko handelt es sich nicht selten um einen finanziellen Wert, der häufig schwer zu quantifizieren ist. An dieser Stelle kommt das Thema Cyber-Versicherung ins Spiel. Gemäß dem KPMG-Prognosemodell wird bis 2036 ein Prämienvolumen von 19 Mrd. EUR alleine in der DACH-Region erwartet.

Trotzdem ist das Angebot auf dem Markt immer noch überschaubar. So gibt es in Deutschland beispielsweise nur etwa ein Dutzend Versicherer, die eigenständige Cyber-Produkte für Privatkunden anbieten. Dabei wird immer deutlicher, was die Versicherer von einem umfassenden Cyber-Angebot für das Privat- und Firmenkundengeschäft abhält. Dies sind insbesondere die fehlenden Erfahrungswerte und das schwer einzuschätzende Risiko. Verbunden sind diese mit hohen Unsicherheiten, welche die Aktuare der Assekuranz vor hohe Herausforderungen stellen.

Die Basis für die Kalkulation von Versicherungsprämien und der Definition des Versicherungsumfangs eines Produktes sind die Erfahrungswerte der Versicherer – insbesondere historische Schadendaten und entsprechende Informationen der vergangenen Geschäftsjahre. Bei den klassischen Sparten, wie einer Kfz- oder Hausrat-Versicherung, liegen diese den Versicherern zu Häufe vor. Jedes Jahr vermehrt sich die Datengrundlage und die Versicherer gewinnen an weiteren Informationen. Die daraus erlangten Erkenntnisse können als Basis für…