Erschienen in Ausgabe 6-2018Unternehmen & Management

Bücher statt Kugeln

Lloyd‘s bricht mit der US-Waffenlobby

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Auch britischen Unternehmen werden ihre einst leichtfertig ausgesprochenen Pensionsverpflichtungen immer unheimlicher, eine Folge von Langlebigkeit der Pensionäre und gen Null tendierenden Anlagerenditen. Gerne übertragen sie diese Verpflichtungen an die sich aufdrängenden "pension superfunds", eine Art Konsolidatoren für Pensionsverbindlichkeiten aus früheren Zeiten. Gegen eine einmalige Zahlung in Höhe der bisherigen Bilanzrückstellungen haben sie dann ihr Ende mit Schrecken. Den Pensionären und Pensionsanwärtern wird dabei ein Ersatz-Schuldner oktroyiert, ohne dass sie ihr Plazet geben oder der High Court die Transaktion formell absegnen müsste, wie dies bei Assekuranz-Portfolioübertragen der Fall wäre.
Dies bedeutet aber nicht, dass die übernehmenden pension superfunds wirklich auf Dauer solvent bleiben werden. Alan Rubenstein, CEO des Pension Protection Funds  (eines staatlichen Pensionssicherungsfonds) sieht in der derzeitigen Welle von Abschlüssen den Versuch den bald nicht zuletzt aufgrund EU-Insistenz kommenden Solva-Regeln für Pensionsfonds zuvorzukommen. Auch die britischen Gewerkschaften sehen die derzeitige regulatorische Arbitrage als einen gefährlichen Zustand. Private Versicherer, die mit den noch nicht reglementierten pension superfunds konkurrieren, betrachten sich als Opfer einer nicht zu rechtfertigenden Differenzierung.

Schüler schießen gegen Waffengesetz

Die National Rifle Association (NRA) ist eine fünf Millionen Mitglieder zählende und ein Jahresbudget von knapp 500 Mio. Dollar verwaltende politisch äußerst aktive Vereinigung, welche das verfassungsrechtlich garantierte Recht von US-Amerikanern verteidigt, Waffen zu tragen. Auch durch Provisionen motiviert, bietet sie ihren Mitgliedern eine Reihe von Dienstleistungen, u.a. die Vermittlung von speziellen Haftpflichtpolicen, welche im Fall von putativen Notwehrsituationen die erforderliche Kaution stellen und die Rechtsverteidigungskosten übernehmen. Böse Zungen nennen diese Deckungen „murder insurance“. Angesichts immer wieder vorkommender Amokläufe ist es für eine auf ihre Reputation bedachte Organisation nicht mehr ratsam, mit der NRA in irgendeiner Form Geschäfte zu betreiben. Hinzu kommt, dass das New Yorker Department of Financial Services gegen derartige Deckungen anbietene Versicherer ermittelt. Gegen Chubb wurde bereits ein Bußgeld in Höhe von 1,3 Mio. Dollar verhängt. Lloyd’s hat nun sechs (von derzeit 83) Syndikaten verboten, weiterhin mit der NRA zu kooperieren.
Dafür möchte…