Analoge Prozesse werden zum Problem: Versicherer machen Vermittlern das neue digitale Leben unnötig schwer, kritisiert Tim Becker von TBO Versicherungsmakler.
Analoge Prozesse werden zum Problem: Versicherer machen Vermittlern das neue digitale Leben unnötig schwer, kritisiert Tim Becker von TBO Versicherungsmakler.Quelle: IBM
Erschienen in Ausgabe 6-2018Unternehmen & Management

Alte Lasten, neue Sorgen

Versicherungsvermittler bangen um ihre Zukunft

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Wie hart ist der Maklerjob heute? Wie sind Makler aufgestellt, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden? Womit stehen sie sich selbst im Weg? Was macht ihnen das Leben schwer? Und mit welchen Strategien können sie sich aus einer drohenden Stress-Spirale befreien? „Die gegenwärtigen Herausforderungen bestehen vor allem darin, wie die Daten aus existierenden Verträgen genutzt, die Beratung optimiert und die Bestandspflege regelmäßig durchgeführt werden kann. Oft ist das Backoffice schlecht und die Vorteile der Digitalisierung und Automatisierung für die Büroorganisation werden nicht oder zu wenig genutzt“, weiß Oliver Kieper, Vorstand für den Bereich Versicherungen beim Maklerpool Netfonds. „Je aufgeräumter ein Unternehmen ist, desto besser.“

"Besonders die Einzelkämpfer sind gefährdet"

Katharina Heder, Marketingberaterin und Dozentin, über die psychischen Belastungen von Vermittlern

Sind Vermittler heute mehr als zum Beispiel vor zehn Jahren gestresst?

Wir alle sind durch die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung heute durch Arbeit ganz anders als früher – weniger körperlich und mehr psychisch – belastet. Bei Maklern kommt die Dauerregulierung hinzu. Die fortlaufende Veränderung der Arbeit, die Anpassung an neue Anforderungen und der Anstieg von Bürokratie sind nur drei Stressoren, die täglich auf alle Marktteilnehmer einprasseln. Viele Branchen sind derzeit zum Umdenken gezwungen. Bei der Finanzdienstleistungsbranche kommen zusätzlich Regulierungen hinzu. Kaum hat man sich an die IDD gewöhnt, kommt mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die nächste Hürde dazu. Das behindert das Kerngeschäft und führt dazu, dass Überstunden in fehlende Freizeit münden. Hieraus kann sich eine gefährliche Spirale entwickeln, die Burnout zur Folge haben kann. Hier sehe ich besonders die Einzelkämpfer gefährdet.

Ist Stress nicht häufig hausgemacht?

Auf jeden Fall. Wir treiben uns mit Anforderungen wie Streng dich an! Beeil dich! Sei perfekt! Sei stark! Sei beliebt! An. Dadurch verlieren wir uns selbst aus den Augen. Psychische, aber auch körperliche Krankheiten sind nicht selten die Folge davon. Um dem vorzubeugen, sollte man sich und seine Arbeit immer wieder selbst betrachten. Das Tagesziel kann zum Beispiel nicht darin bestehen, alle anstehenden Aufgaben abzuarbeiten. Modernes Arbeiten heißt Aufgaben zu organisieren und der Frist entsprechend zu erledigen. Wenn die Energie nachlässt kann es sinnvoll…

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