Erschienen in Ausgabe 6-2018Schlaglicht

Abwälzen mit gutem Gewissen

Wie der Staat seine Exportbürgschaften auf den privaten Rückversicherumgsmarkt verlagert

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Export-Import Bank of the United States (Exim) ist eine Behörde der US-Bundesregierung, die in deren Auftrag und für deren Rechnung Exportbürgschaften und -kredite vergibt. Der Makler Aon Benfield ararngierte Ende März eine innovative nachträgliche Risikoabwälzung unter bereits erfolgten Finanzierungen von Großraumflugzeugen aus US-Produktion. Die Führung des aus 10 Rückversicherern bestehenden Panels liegt bei XL Catlin, Liberty Specialty Markets und Everest. Das Transaktionsvolumen von einer Mrd. US-Dollar mag auf den ersten Blick beeindrucken, relativiert sich jedoch im Vergleich zum Gesamtvolumen der von Exim gelaufenen Engagements von bis zu 140 Mrd. Dollar und erst recht angesichts des für 2020 prognostizierten Defizits des US-Bundeshaushalts von einer Billion Dollar. Leider fehlen auch schematische Beschreibungen der Deal-Struktur. Unklar ist, ob es um eine proportionale Risikoübernahme oder eine solche auf Schadenexcedetenbasis geht und wie hoch das Entgelt sein nag.
Für die Übernahme derartiger Risiken von staatlichen Exportkreditversicherern ist bei XL Catlin deren Political Risk, Credit and Bond (PRCB) Insurance Team zuständig. XL Catlin unterhält in Washington D.C. ein eigenes für die Vermarktung gegenüber Regierungsstellen und das Lobbying zuständiges Büro. Nicht im Detail ausgeführt wird, welche rechtliche Einheit von XL Catlin die Deckung übernommen hat. Angesichts der äußerst reservierten Haltung von Lloyd’s, was Kreditrisiken angeht, dürften die Rückversicherungsübernahmen nicht an Lloyd’s Syndikate gegangen sein.
Notleidend werden könnten solche Deckungen insbesondere auch im Fall anhaltender technischer Probleme einzelner Flugzeugmmodelle (soweit nicht im Rahmen der Herstellerhaftung abwälzbar). Die beteiligten Rückversicherer haben also sehenden Auges eine erhebliches Restwert-Obligo übernommen. In der Vergangenheit hatten Restwertdeckungen in Sachen geleaste Autoflotten, Computer und Verkehrsflugzeuge der Assekuranz immer wieder Milliardenverluste zugefügt. 
Seit 2000 hat Exim 14,6 Mrd. Dollar an Nettogewinnen an das US-Schatzamt abgeliefert. Dabei sollt man jedoch berücksichtigen, dass Exim in etwa das zehnfache dieses Betrags an Risiken läuft, bislang für netto. Mitte 2015 war die seinerzeitige Autorisierung von Exim ausgelaufen. Es hatte erheblichen Widerstand von Kongressabgeordneten gegeben, die in derartiger Exportsubventionierung einen Verstoss gegen liberale ordnungspolitische Prinzipien erblicken. Während des 2015er Schwebezustands war Exim nicht in der Lage gewesen, neue Garantieanträge zu bearbeiten. Am 4. Dezember 2015 hatte der damalige Präsident Barack Obama Exim’s Re-Authorisation  unterzeichnet. Die Wieder-Zulassung von Exim gilt lediglich für einen am 30.9.2019 endenden vier Jahreszeitraum.

Transferexperiment ist noch gedeckelt

Risikoverlagerung auf private Akteure qua Rückversicherung vorgesehen. Diese Bestimmung war wohl eine Konzession an wirtschaftpolitisch liberale Kräfte gewesen und solche, die ein zu großes bislang für netto gelaufenes Obligo der US-Bundesregierung aus derartigen bis 135 Mrd. Dollar erreichenden Export-Garantien fürchten. Die Autorisierung eines solchen Risikotransferexperiments galt jedoch nur für eine Mrd. Dollar an Risiken, die nun erst einmal ausgeschöpft sind. Abzuwarten ist, ob der Autorisierungsrahmen nun aufgestocket wird.
Das Zeichnen von mehr als zehn Mio. Dollar betragenden Haftungen bedarf der Genehmigung durch den Verwaltungsrat der Exim. Dieser war für eine längere Zeit handlungsfähig gewesen, da die Mitgliederzahl von fünf auf drei schrumpfte – auch dies wieder ein Zeichen politischer Uneinigkeit.
Vergleichbar wäre die jetzige Transaktion mit der Abgabe von Risiken aus dem von Hermes im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland gezeichneten Exportkredit-Mandatargeschäft etwa an Münchner, Schweizer und Hannover Rück. Sie liegt im Trend: Viele Rückversicherer bemühen sich staatlichen Stellen die Augen hinsichtlich der von diesen für netto gelaufenen Risiken zu öffnen und sich als Partner anzubieten. Meist geht es dabei um die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden an staatlicher Infrastruktur oder die der Bekämpfung von Epidemien

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