Investitionen in US-Lebensversicherungen: International im Aufwind, am deutschen Markt verkannt
Investitionen in US-Lebensversicherungen: International im Aufwind, am deutschen Markt verkanntQuelle: Jan von Uxkull/ Pixelio
Erschienen in Ausgabe 5-2018Märkte & Vertrieb

Wetten auf den Tod

US Life Settlements zählen zu den Assetklassen am Markt, die stark polarisieren. Die einen halten sie für hoch riskant und ethisch bedenklich, andere sehen in diesem „Alternative Investment“ eine renditestarke Beimischung zum bestehenden Portfolio. Ein Überblick.

Von Stefan RensinghoffVersicherungswirtschaft

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Die Möglichkeit, in US-Risikolebensversicherungen bzw. US Life Settlements zu investieren, besteht in Deutschland seit 2002. Doch nach anfänglicher Begeisterung machte sich deutliche Ernüchterung breit. Zu positive Lebenserwartungsgutachten bereiteten Investoren hohe finanzielle Verluste. Zudem galt die „Wette auf den Tod“, womit dieses Investment in der Finanzbranche und den Medien beschrieben wurde, als ethisch bedenklich. Auch zehn Jahre später sind die Voraussetzungen, Investoren von der Attraktivität dieses Assets zu überzeugen, noch immer schwierig. Zu sehr sind die schlechten Nachrichten in den Köpfen verankert. Dabei hat sich der US Life Settlement Markt seitdem stark weiterentwickelt, professionalisiert und international ein positives Image gewonnen.

Ethische Bedenken vs. Souveränität entscheidungsfreier Konsumenten

Bei der Frage, ob das Asset moralisch verwerflich ist, spielt das Thema Tod eine zentrale Rolle. In unserer Gesellschaft scheuen wir uns, uns mit dem Tod als Teil der menschlichen Existenz zu beschäftigen. Lieber schaut man vorwurfsvoll auf die, die vom frühen Ableben anderer profitieren, auf US Life Settlement-Investoren. Bei Managern, Mitarbeitern und Aktionären von Renten- und Risikolebensversicherungen verhält es sich ganz anders. Obwohl auch diese mit der Einschätzung der Lebenserwartung der Versicherten kalkulieren, wird die Ethikfrage nicht gestellt. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ist nicht nachvollziehbar. Zumal es für US-Lebensversicherte sehr gute Gründe gibt, die meist lebenslang laufenden Risikoversicherungen an einem bestimmten Punkt zu verkaufen. Warum hatten sie sich überhaupt für dieses Produkt entschieden? Weil sie beispielsweise ihre Familie, eine Immobilie oder ihr Unternehmen absichern wollten. Nur im Alter fallen diese Gründe weg und hohe Prämien belasten die Alterseinkünfte. Eine Auf- bzw. Rückgabe des Vertrags ist allerdings mit hohen Verlusten verbunden. Nach Jahrzehntelangen Einzahlungen bekommt der Versicherte in der Regel kaum etwas von der Versicherung zurück. Doch durch die Möglichkeit des Verkaufs am Zweitmarkt ist er nicht mehr abhängig vom Versicherungsunternehmen, sondern erzielt beim Verkauf deutlich mehr Geld. Im Jahr 2016 wurden so über den Zweitmarkt knapp über zwei Mrd. US-Dollar an Versicherte ausgezahlt.

Bei der Anlageklasse der US Life Settlements profitieren daher Policenverkäufer wie Investoren gleichermaßen. Die weitestgehend fehlende Korrelation zu den Aktien- und Kapitalmärkten…