Erschienen in Ausgabe 5-2018Märkte & Vertrieb

Tausche Risiko gegen Rendite

Was Lebensversicherer bei der Kapitaloptimierung unter Solvency II beachten müssen

Von und Michael Winkler und Christiane KückVersicherungswirtschaft

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Ende 2016 konnten alle deutschen Lebensversicherer Solvency-II-Quoten, also ein Verhältnis von Eigenmitteln zu Solvenzkapitalanforderungen bzw. SCR, von über 100 Prozent ausweisen. Dies zeigt, dass sie die Umstellung des Solvenzregimes gut gemeistert haben. Die leichte Erholung des Zinsniveaus im Jahr 2016, die Übergangsmaßnahmen („Transitionals“)  sowie aktive unternehmensinterne Steuerungsmaßnahmen haben hierzu beigetragen. Während der Zinsanstieg einen deutlich positiven Effekt  auf die Solvency-II-Quoten hatte, können diese sich bei einer Zinssenkung in kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Da solche Zinsschwankungen und damit einhergehende Volatilitäten der SII-Quote kaum vorhergesagt werden können, und weil sich die SII-Quote für langfristige Portfolios mit der Zeit durch die schrittweise Reduktion der Übergangsmaßnahmen reduziert, kann es für Lebensversicherer sinnvoll sein, entsprechende Optimierungsmaßnahmen zu implementieren. Um bei der Kapitaloptimierung unter Solvency II die gewünschte Verbesserung des Gesamtkapitals zu erreichen, müssen verschiedenste Einflussfaktoren wie Diversifikation, die verlustabsorbierende Wirkung technischer Rückstellungen und Steuern sowie die Kosten der Optimierung berücksichtigt werden. Die Praxis zeigt, dass die tatsächliche Kapitalanforderung (SCR) im Durchschnitt um ca. 75 Prozent niedriger liegt, als die Summe der Einzelrisikokapitale (BSCR).

Je größer die Anzahl der Risiken, desto stärker der Diversifikationseffekt

Die Diversifikation zwischen den einzelnen Risiken reduziert den Kapitalbedarf im Markt-Durchschnitt um ca. 25 Prozent. Die Reduktion könnte aber durchaus höher ausfallen – etwa dann, wenn der Kapitalbedarf für alle Einzelrisiken jeweils in der gleichen Größenordnung liegt. Vergleicht man exemplarisch zwei Risiken mit Korrelation Null, die sich jeweils in einfacher Summe zu 100 Prozent addieren, aber im Einzelkapitalbedarf unterschiedlich verteilt sind, so haben die gleichverteilten Risiken mit 70 Prozent den geringsten Gesamtkapitalbedarf. Der Diversifikationseffekt wirkt hierbei umso stärker je größer die Anzahl der Risiken ist. Auch bei anderen Korrelationen wird die optimale Diversifikation bei gleichgroßen Risiken erreicht. Kapitaloptimierung sollte immer am Kapitalbedarf großer Risikokomponenten (z. B. Marktrisiko) ansetzen, während eine Vergrößerung einer kleinen Komponente (z. B. Ausfallrisiko) nicht zu einem signifikant höheren Gesamtkapitalbedarf führt. Optimal ist es, ein großes Risiko gegen…