Erschienen in Ausgabe 5-2018Trends & Innovationen

Buberl beweist Mut

Von David GorrVersicherungswirtschaft
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, dachte sich Thomas Buberl als mit seinem Übernahme-Coup der XL-Group sowohl die Konkurrenz als auch die Anleger schockierte. Während andere mit Millionen-Investionen in Insurtechs eher kleine Brötchen backen, greift der Axa-Chef tief in die Tasche und zahlt 15,3 Mrd. US-Dollar für in den Bermudas beheimateten Sach- und Rückversicherer XL - 33 Prozent über dem Aktienkurs. 
„Vergleichsweise billig“, nennt Buberl den Zukauf - für ein  funktionierendes Unternehmen wohlgemerkt und kein Start-up, dass keine Umsätze generiert. Ohnehin nennt es Buberl ein Tauschgeschäft. „Wir verkaufen einen US-Lebensversicherer und kaufen einen Sachversicherer. Netto habe ich nicht zugekauft, also den Umsatz nicht erweitert.“ 
Die Analysten von Axa haben sich sicherlich dabei etwas gedacht, denn auf fallende Kurse zu warten - abgesehen durch geopolitische Risiken hervorgerufen -  ist wie in einer Dürre auf Regen zu warten. Die nächste Finanzkrise ist schon seit Jahren überfällig. Doch wenn nicht jetzt ein europäischer Versicherer zugeschlagen hätte, dann eben bald die Chinesen oder die Japaner, die derzeit mit der Softbank bei der Swiss Re anklopfen.Lamentieren über zu hohe Preise kurbelt das Wachstum im Kerngeschäft auch nicht an.

Axa kann sich ein Scheitern leisten

Ohnehin lagen der XL Group bereits konkrete Angebote vor, wie aus Dokumenten der US-Börsenaufsicht hervorgeht. Eines davon könnte von der Allianz stammen. In der Tat wären die Synergien und damit die Einsparungen mit dem Dax-30-Konzern größer gewesen. Das dachte man sich in München auch bei der Übernahme der Dresdner Bank. Das entpuppte sich als einer größten Irrtümer in der deutschen Finanzgeschichte. 
Es ist kein Geheimnis, dass jede zweite Firmenehe scheitert. Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg. Doch die Integration der Braut dürfte Axa keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten. Im Gegensatz zu dem überregulierten LV-Markt lässt sich das Know-how in der industriellen Erst- und der Rückversicherung von einem auf den nächsten Markt übertragen. Bei Ace und Schubb scheint es zu funktionieren. Auch wenn Buberls Wette nicht aufgehen sollte, wird Axa daran nicht zugrunde gehen. Schließlich überlebte die Allianz das Debakel mit der Dresdner Bank, Daimler die Horrohehe mit Chrysler.

Ein Deutscher regiert wie Napoleon

Die Axa glaubt zurecht, die Chancen überwiegen insgesamt die Risiken: In der Sachversicherung mit Firmenkunden könne der französische Versicherer nach Beitragseinnahmen zum Weltmarktführer aufsteigen. Allein die Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft mit Gewerbekunden würden sich durch den Zukauf künftig auf 30 Mrd. Euro summieren. Der Industriesparte stehen ohnehin mit Industrie 4.0, Smart Home und autonomen Autos ein großer Wandel bevor. Die Axa will diesen Wandel als größter Player mitgestalten.
Nicht alle können das verstehen.  Über die vergangenen drei Monate hat Axa m Euro Stoxx 50 - neben der Deutschen Bank - am schlechtesten performert. Die Investoren erinnert Buberls „einsame“Entscheidung an jene alte Zeiten, als Persönlichkeiten mit napoleonischer Ader wie Claude Bébéar oder Henri de Castries die Axa ohne Check und Balances regierten. Und, den einst regionalen Versicherer zur Nummer eins in Europa machten. Ob man Buberls harte Sanierung damals bei Axa Deutschland oder seine jetzige teure Akqusition gutheißen mag oder nicht. Feststeht, dass diese progressive Denkweise ihn erst an die Spitze des französischen Konzerns katapuliert hat. Die Entscheidung für den Deutschen als CEO fiel  aufgrund eines Papiers, in dem  Buberl seine Digitalstrategie für die Axa festhielt. „Das hat uns alle überzeugt“, erklärte Buberls Vorgänger, Henri de Castries. „Nicht nur von der Sache her, sondern auch wegen des starken persönlichen Engagements, des Muts und der Werte, die Thomas gezeigt hat.“ 
Es heißt, mutig ist derjenige, der „Nein“sagt. In diesem Fall ist es Buberls „Nein“ zur bisherigen Konzernpolitik, große Übernahmen zu meiden.