Erschienen in Ausgabe 5-2018Schlaglicht

Zweiklassen-Gesellschaft

Beitragsanpassungen vermiesen PKV-Unternehmen das Neugeschäft mit Vollversicherten

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Das Thema ist nicht neu, gewinnt aber immer stärker an Bedeutung und Beachtung: Die Beitragsverteuerungen. „Wer die Beitragsanpassungen zu Beginn des Jahres und auch im Vorjahr beobachtet hat, wird feststellen, dass besonders starke Erhöhungen häufiger auftreten als früher“, schreibt die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. im „Aktuar Aktuell“ Ausgabe 41. Die Ursache für die kräftigeren Ausschläge in der jüngeren Zeit liegen in der Niedrigzinsphase begründet – und im Rechenverfahren an sich. Die Folge: Gegenüber einer stetigen Beitragsentwicklung verteuern sich die lebenslangen Beitragsverläufe. Denn bei den unregelmäßigen, kräftigen Anstiegen entgehen den Unternehmen nach Auffassung der Aktuare Zinsgewinne, die andernfalls im Alter für die Beitragsermäßigung genutzt werden könnten. Damit gerät die PKV in die Schlagzeilen – und sorgt für Unmut bei Bestands- wie Neukunden. Dabei ist es um das Neugeschäft mit Vollversicherten ohnehin nicht gut bestellt, was verschiedene Ursachen hat und natürlich nicht nur in spektakulär ungünstigen Beitragsanpassungen begründet liegt. Aber Fakt ist: Der Nettoneuzugang ist seit 2012 per Saldo negativ. Gegenüber dem Versichertenhöchststand 2011 haben die PKV-Unternehmen 203.600 Vollversicherte verloren; 2016 kamen sie laut PKV-Verband noch auf 8.772.700 Personen. Die Aktuare wünschen sich schon seit Mitte der 90er Jahre eine neue Berechnungsmethode für die Beitragsanpassungen, werben aber aktuell verstärkt darum. Konkret schlagen sie zwei Konzepte zur Verstetigung der Beitragsanpassungen: Beim ersten Verfahren werden Nettoprämien berechnet, bei denen die relevanten Rechnungsgrundlagen nach einem objektiven Verfahren aktualisiert werden. Der zweite Ansatz würde auch den Rechnungszins als auslösenden Faktoren berücksichtigen Unabhängig vom gewählten Verfahren plädieren die Aktuare für einen einheitlichen Schwellenwert von fünf Prozent. Gegenläufig zur Vollkostenversicherung boomt das Segment der Zusatz- oder auch Ergänzungstarife: Allein in den letzten fünf Jahren vergrößerte sich der Bestand nach Angaben des PKV-Verbandes um gut zwei Millionen auf 25,084 Millionen. In der Zehn-Jahresbetrachtung ergab sich gar ein Plus von fast 40 Prozent – sprich: es gab seither fast so viele Neukunden wie die Vollversicherung im Bestand hat. Die fünf größten Anbieter von Zusatzversicherungen (gemessen an den Versicherten) kommen in der Zählweise des PKV-Verbandes auf einen Marktanteil von 40,1 Prozent, die Zehngrößten auf 62,4 Prozent.
Das Gros des Geschäfts macht die Branche aber unverändert mit der Vollkostenversicherung: Laut Erstversicherungsstatistik der Bafin lag der Anteil hier 2016 im gesamten Neugeschäft mit Einzelversicherungen bei 68,09 Prozent und im Bestand waren es 68,58 Prozent.  Gemessen an allen Bruttoprämien der Erstversicherer hat sich der Anteil der PKV-Beiträge um rund 1,5 Prozentpunkte auf knapp 18 Prozent vergrößert.
Die zehn größten PKV-Anbieter verbuchten 2016 rund 70,85 Prozent aller Beiträge; 2006 kamen die Top-Ten auf 69,54 Prozent. Die zehn größten Gesellschaften versichern 52,68 Prozent der natürlich versicherten Personen und halten 73,92 Prozent der Kapitalanlagen. Und die fünf Größten vereinnahmen fast unverändert die Hälfte der Beiträge. Anders als 2006 gehört inzwischen auch die Axa Kranken dank der Fusion mit der DBV-Schwester zum Kreis der größten Fünf. Der Trend zur Konsolidierung bei den Gesellschaften hat sich weiter fortgesetzt: 2006 waren es noch 52 Anbieter; stehen unter Bundesaufsicht nur noch 46 PKV-Unternehmen. 2016 verschwand durch die Verschmelzung auf die Continentale Krankenversicherung die Mannheimer Krankenversicherung.
An der Rangfolge der Gesellschaften tut sich seit Jahren vergleichsweise wenig: Gemessen an den Beitragseinnahmen hat die Hansemerkur seit 2006 den größten Sprung - nämlich von Platz 20 auf 11 – gemacht. Weiter nach vorne gerückt (jeweils um einen oder zwei Plätze) sind unter den Top 20 in den letzten zehn Jahren die Barmenia Kranken, die Huk Coburg, die Süddeutsche, die Union, der Deutsche Ring, die Universa und der Münchener Verein.

Kennzahlen der Krankenversicherungsersicherungsunternehmen (nach verdienten Bruttobeiträgen 2016)

RangUnternehmenVerdiente Bruttobeiträge in Tsd. EuroVersicherte natürliche PersonenBestand am Ende des GJ. (in Tsd. Euro)lfd. Verzinszung (in %)Reinverzinsung (in %)Abschluss-aufwendungen (in %)*Jahresergebnis (in %)*
1DEBEKA KRANKEN5.470.4244.002.12039.143.5493,944,40,5
2DKV AG4.727.4994.400.23339.057.88543,75,9-
3ALLIANZ PRIV.KV AG3.281.3422.617.88727.323.2523,94,16,7-
4AXA KRANKEN2.875.6501.733.45717.158.2683,23,46,9-
5SIGNAL KRANKEN2.048.4281.977.98917.207.6143,74,68,41,2
6CENTRAL KRANKEN1.933.8381.721.08214.460.1123,33,35,1-
7BARMENIA KRANKEN1.606.6281.230.1999.744.7913,73,68,12,1
8CONTINENTALE KRANKEN1.591.4921.358.30211.953.3653,73,67,60,4
9BAYERISCHE BEAMTEN K1.567.1211.132.0759.906.2913,33,36,11,9
10HUK-COBURG KRANKEN1.236.7881.028.3806.328.90433,13,70,4
11HANSEMERKUR KRANKEN_V1.155.9901.473.1894.914.9563,8411,92,2
12HALLESCHE KRANKEN1.149.412641.6048.272.7783,23,47,32,4
13GOTHAER KV AG824.095591.5536.565.6273,83,95,22,5
14LANDESKRANKENHILFE820.239366.0916.846.2782,221,33
15SÜDDEUTSCHE KRANKEN767.086666.8925.724.3543,43,85,10,7
16UNION KRANKENVERS.721.7641.206.4074.283.8113,13,59,73
17INTER KV AG662.982376.7134.970.6134,24,28,52,3
18DT. RING KRANKEN651.018593.7485.175.35244,26,91,5
19UNIVERSA KRANKEN551.864358.1704.207.3443,53,56,62
20MÜNCHEN.VEREIN KV509.822314.5854.128.6373,23,47,51,4
21R+V KRANKEN506.370884.4331.841.2113,43,28,51,1
22ERGO DIREKT KRANKEN456.6101.510.964611.6173,2316,4-
23ARAG KRANKEN356.456595.2231.859.6703,53,88,31,9
24LVM KRANKEN333.360351.8642.246.0243,53,76,92,1
25ALTE OLDENBURGER AG222.257161.6791.571.6573,23,34,71,2
26WÜRTT. KRANKEN216.262376.307737.1553,23,210,82
27NÜRNBG. KRANKEN207.251280.9171.082.3673,23,86,21,9
28PAX-FAMILIENF.KV AG152.173164.371887.9153,23,55,32,6
29HANSEMERKUR S.KRANKEN144.8446.710.97342.9863,13,502,7
30ENVIVAS KRANKEN104.322406.356203.6983,12,96,73,1
31DEVK KRANKENVERS.-AG80.523391.403238.7213,23,38,2-
32PROVINZIAL KRANKEN67.782165.316346.2973,13,17,91,5
33CONCORDIA KRANKEN54.49099.270288.8203,3411,22,8
34FREIE ARZTKASSE49.97727.743290.1843,73,81,51,8
35VIGO KRANKEN19.07419.852100.8833,54,44,92
36MECKLENBURGISCHE KRA.18.48158.48362.1643,22,911,72,7
37LIGA KRANKEN13.3553.611106.9053,13,10,82,2
38AUGENOPTIKER AUSGLCH.7.0402.5372.4521,31,30,81,9
39PRAENATURA VVAG3.72775.47612.0561,31,76,317,4
40ST. MARTINUS KRANKEN2.37679115.3103,42,6-0,7
41BERUFSFEUERWEHR HANN.1.7781.31510.4543,12,6--5,5
42ALTE OLDENBURGER VVAG1.650164.28031.4102,12,21020
43LOHNFORTZ.KASSE LEER1.238266291,41-4,5
44LOHNFORTZ.KAS. AURICH822291360,10,1--1,1
45HANSEMERKUR KRANKEN50811.686154.4620,10,15,5-
46SONO KRANKEN2372.6186.3973,43,5-1
Branche37.176.44640.258.199260.125.3603,63,76,50,9
* In Prozent der verdienten Brutto-Beiträge