Erschienen in Ausgabe 5-2018Unternehmen & Management

Teile und herrsche

Wegen Solvency II ist Europa so unattraktiv geworden, dass Prudential sein reifes Europageschäft aufspaltet

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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So gar nicht dem Trend zur Schaffung immer größerer Unternehmenseinheiten entspricht die nun anstehende Aufspaltung der 170 Jahre alten Prudential Plc, an deren Aktionäre die europäischen und britischen Geschäftseinheiten in Form von Aktien einer weiteren, börsenzulistenden britischen Gesellschaft M&G Prudential (CEO John Foley) ausgeschüttet werden sollen. In der bestehenden, nicht mehr Solvency II unterfallenden, Prudential Plc verbleiben die asiatischen, nordamerikanischen und afrikanischen Aktivitäten. Dieser Transaktion geht auch noch die Veräußerung von zwölf Mrd. Pfund an privaten Rentenreserven voraus, welche an die von Blackstone Group LP kontrollierte Abwicklungsgesellschaft Rothesay gehen sollen. Die Börse reagierte auf die Ankündigung Mitte März mit einem 6%igen Kurssprung, – scheint also den Sinn des geplanten Splits verstanden zu haben. Prudential betont, der radikale Schritt habe nichts mit Brexit zu tun. Denkbar erscheint, dass Prudential Plc in einem weiteren Schritt etwa den Sitz nach Asien verlegen oder von einem chinesischen Versicherer übernommen werden könnte.
Der 2017er Jahresgewinn von Prudential betrug 4,699 Mrd. Pfund (2016: 4,256 Mrd. Pfund), die derzeitige Börsenbewertung schwankt um die 50 Mrd. Pfund. Eine derartige auf regionaler Basis erfolgende Unternehmensaufspaltung nimmt die Aufgabe von den Solva-Bedarf reduzierender regionaler Diversifikation in Kauf. Andererseits ergibt sich ein größerer Fokus auf die jeweiligen Geschäftsfelder, insbesondere auf die rasch wachsenden asiatischen Märkte. Hauptgrund aber ist, dass die nicht mehr in der EU agierende, aber weiterhin in London ansässige Prudential Plc künftig nicht mehr den als exzessiv empfundenen Solvency-II-Regelungen unterworfen sein wird. Bevor weitere EU-Versicherer wie Allianz, Axa oder Mapfre sich durch Solvency II hinsichtlich ihrer außereuropäischen Operationen neue Strukturen überlegen, sollte die EU-Kommission einmal darüber nachdenken, ob sie mit Solvency II nicht allzu unattraktive Standortbedingungen geschaffen hat und die regulatorischen Daumenschrauben wieder etwas lösen sollte. Wer zwar für große Unternehmensteile dem Diktat von Solvency II entrinnen möchte, aber gleichzeitig die Solvency II unterworfenenen und die von diesem Joch befreiten Unternehmensteile unter gleicher Leitung bewahren möchte, der könnte auch noch  einen etwas andere Ansatz in Erwägung ziehen: Aufspaltung von EU-Versicherungsgruppen in eine EU sowie eine non-EU Gruppe, wobei die…