Erschienen in Ausgabe 5-2018Schlaglicht

Löchriges Polster

Einst Garanten für einen sicheren Lebensabend müssen Lebensversicherer heute inzwischen selbst vorsorgen

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Die Lebensversicherung ist zurzeit nur ein Schatten einer erfolgreichen Vergangenheit. Das zeigt sich deutlich in der Erstversicherungsstatistik 2016 der Bafin. Infolge des Zinsdesasters sanken die Überschüsse (Jahresergebnisse plus Brutto-Aufwand für Beitragsrückerstattung) 2016: Absolut erreichten sie nur noch 6,8 (7,4) Mrd. Euro – das sind 7,9 (8,5) Prozent der verdienten Beiträge. Wie viel die Lebensversicherer von ihrer Ertragsstärke eingebüßt haben, zeigt sich vor allem in der längerfristigen Betrachtung: Bis zum Jahr 2000, dem Platzen der Dotcom-Blase, waren die Überschüsse nicht nur absolut höher, gemessen an den Beiträgen erreichten die Quoten über 30 Prozent. Vom Überschuss 2016 gehen 95,0Prozent  an die Rückstellung für Beitragsrückerstattung. Das ist die höchste Zuführungsquote seit 2002. Damals betrug die Quote 95,2 Prozent – nach der Krise des Aktienmarktes gab es seinerzeit allerdings auch nicht wirklich viel zu verteilen.
Die Zuführungsquote ist jedoch nur eine relative Größe, absolut verliert die RfB an Substanz. Das Polster sank in den letzten fünf Jahren um 6 Prozent auf 48,6 Mrd. Euro. Damit macht die RfB 2016 noch 6,2 Prozent der Deckungsrückstellung aus – verglichen mit 7,6 Prozent im Jahr 2012.

Streit um Zinszusatzreserve und Provisionsdeckel

Die Niedrigzinsphase belastete 2016 direkt, aber auch indirekt als Folgeerscheinung durch den weiteren Aufbau der seit 2012 geforderten Zinszusatzreserve (ZZR). Diese wurde 2016 um rund 10 Mrd. Euro auf 44,1 Mrd. Euro aufgestockt; 2017 kamen weitere 16 Mrd. Euro hinzu und für das aktuelle Jahr wird mit einer Anforderung von 20 Mrd. Euro gerechnet. Wird die geltenden Berechnungsmethode beibehalten und nicht, wie seit langem von der Branche gefordert, geändert, könnte bis 2025 die „schwindelerregende“ Höhe von 200 Mrd. Euro zu stemmen sein, fürchtet die Deutsche Aktuarvereinigung.
Durch die ZZR-Belastung wächst für den Überschuss (hier allerdings mit Direktgutschriften) die Bedeutung des Risikoergebnisses. So zeigt die Überschusszerlegung, dass die Ergebnisquelle „Kapitalanlagen“ 2016 auf 3,4 (4,9) Mrd. bzw. 4,0 (5,6) Prozent der verdienten Bruttobeträge schrumpfte. Dagegen legte das Ergebnis aus Risiko und Storno um 7,2 (8,4) Mrd. Euro bzw. 8,4 (7,7) Prozent der Beiträge zu. Neben der Sterblichkeit mit positiven, unveränderten 3,8 Prozent sind die wichtigsten Risikoquellen Unfalltod mit 0,1 (0,2) Prozent und die das Berufsunfähigkeitsrisiko mit 3,8 (3,5) Prozent der Beiträge. Die in die Beiträge…