Gefährliches Pflaster: Mexiko beklagt jedes Jahr tausende Tote infolge des Drogenkrieges und starker Erdbeben.
Gefährliches Pflaster: Mexiko beklagt jedes Jahr tausende Tote infolge des Drogenkrieges und starker Erdbeben.Quelle: © qojoo / fotolia
Erschienen in Ausgabe 5-2018Unternehmen & Management

Katerstimmung nach der Fiesta

Der zweitgrößte Versicherungsmarkt Lateinamerikas schwächelt. Trotz des dynamischen Konsums hinterlässt Mexikos labile Wirtschaft ihre Spuren. Donald Trumps Drohungen, das Nafta-Abkommen zu kündigen, tun ihr Übriges.

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Im mexikanischen Versicherungsmarkt agierten 2017 nach der CNSF 98 Assekuranzhäuser. Davon waren 16 Gesellschaften reine Lebensversicherer und 44 ausschließlich in der Nichtlebensversicherung aktiv. 38 Gesellschaften hatten die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb in beiden Segmenten. Der Anteil von internationalen Versicherungsgruppen ist hoch. 52 Versicherer sind mehrheitlich in Besitz von ausländischen Gesellschaften. Der Verkauf über den Bankschalter gewinnt zunehmend an Bedeutung. Aktuell gehören 16 Versicherer zu einer Finanzgruppe. Die mexikanische Assekuranz ist stets an eng gekoppelt an die Inflationsrate und Konjunkturentwicklung des Landes. Und diese waren 2017 ungünstig, sagt der Generaldirektor des mexikanischen Versichererverbandes Asociación Mexicana de Instituciones de Seguros (AMIS) Recaredo Arias.
Nach den Zahlen der mexikanischen Versicherungsaufsichtsbehörde Comisión Nacional de Seguros y Fianzas (CNSF) ist das Prämienvolumen im direkten Geschäft 2017 real nur um 2,5 Prozent auf 21,2 Mrd. Euro gestiegen. Im Jahr zuvor stand noch ein Steigerungssatz von 9,3 Prozent zu Buche. Die Inflationsrate hat sich 2017 nach dem mexikanischen Statistikamt Inegi auf 6,8 Prozent mehr als verdoppelt. Das Wirtschaftswachstum lag mit zwei Prozent auf dem niedrigsten Niveau der letzten vier Jahre. 
Viele Analysten hatten nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten allerdings Schlimmeres erwartet. Der Schock über den Wahlausgang und die neuen Töne aus Washington war nur im ersten Quartal 2017 zu bemerken. Danach verbesserte sich die Wirtschaftsentwicklung wieder. Der Wachstumsmotor war jedoch nur der private Konsum, denn die Industrieinvestitionen waren bereits 2017 rückläufig. Der Konsum der Privathaushalte entwickelte sich 2017 mit einem Wachstum von drei Prozent dank eines florierenden Arbeitsmarktes mit einem Anstieg der formalen Arbeitsverhältnisse und steigenden Reallöhnen erneut exzellent. Der zweite Blick zeigt allerdings auch hier eine Abkühlung. Gegenüber 2016 ist die Konsumlaune der 124 Millionen Mexikaner um 1,2 Prozentpunkte zurückgegangen und bescherte so die niedrigste Wachstumsziffer des privaten Konsums seit 2014. Ende 2017 trübte sich das Panorama angesichts der verhärteten Fronten mit Washington insgesamt wieder ein.

Richtungsweisende Präsidentschaftswahlen

Die schwache Konjunktur wirkte sich besonders auf die Lebensversicherung aus. Sie musste einen Rückgang des Beitragsaufkommens von real 4,2 Prozent auf umgerechnet 8,4 Mrd. Euro hinnehmen…