Hagel auf dem Hausdach: 2017 haben Naturereignisse in Deutschland versicherte Sachschäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben von zwei Mrd. Euro verursacht.
Hagel auf dem Hausdach: 2017 haben Naturereignisse in Deutschland versicherte Sachschäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben von zwei Mrd. Euro verursacht.Quelle: Fotolia/ soupstock
Erschienen in Ausgabe 5-2018Politik & Regulierung

Abgeperlt

Versicherer tun sich schwer damit, Hausbesitzer von der Notwendigkeit eines Naturgefahrenschutzes zu überzeugen. Obwohl die Argumente dafür sprechen, müssen Vertriebe viel Überzeugungsarbeit leisten. Eine Analyse.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Offenbar spricht sich unter Hauseigentümern allmählich herum, dass Häuser keine U-Boote sind, die für das Leben unter Wasser gemacht sind: Rund 40 Prozent schützen ihre vier Wände mit einer Naturgefahrenversicherung. Das sind zwar doppelt so viele Häuser wie noch vor 15 Jahren, wie der GDV ausgerechnet hat. Dennoch leisten sich die Besitzer von elf Millionen Wohngebäuden – insgesamt gibt es in Deutschland 17,5 Millionen – den „Luxus“, ihr Hab und Gut unversichert zu lassen. Und das, obwohl die Zahl schwerer Naturereignisse zunimmt. Diese finden häufig lokal begrenzt statt. Vor allem der zunehmende Starkregen gibt Wissenschaftlern und Versicherungen Rätsel auf, die bis Herbst 2018 in einem gemeinsamen Forschungsprojekt von GDV und Deutschem Wetterdienst gelöst werden sollen. Die Daten von 10.000 Ereignissen der letzten 15 Jahre werden dafür ausgewertet. Es soll eine Gefahrenkarte erarbeitet werden, anhand derer die Wassermengen und die Schäden möglichst lokal erfasst und eingegrenzt werden. Ein Ziel ist es, den Versicherungsschutz risikogerechter als bisher anzubieten. Bisher gibt es laut GDV keine belastbaren Statistiken zum Thema Starkregen.

„Auf eine Soforthilfe der Länder sollten sich Verbraucher nicht verlassen“

Rolf Dockhorn, Teamleiter R+V-Privatkunden Sach, über mangelndes Risikobewusstsein für Wetterextreme

Vermittler bekommen von Kunden oft zu hören, dass sie nicht in der Nähe von Flüssen wohnen und daher nicht betroffen seien von Naturgefahren. Was ist davon zu halten?

Wenn die Natur wütet, entstehen in Deutschland Jahr für Jahr Schäden in Millionenhöhe – Tendenz steigend. Und: Naturgefahren können jeden treffen. Auch Anwohner, die weitab von Flüssen leben, können beispielsweise durch Starkregen ihr wertvolles Hab und Gut verlieren. Doch trotz der häufig auftretenden Wetterextreme sind sich viele Verbraucher leider noch immer nicht des hohen Risikos für ihr Haus, ihre Wohnung oder ihren Betrieb bewusst. Denn die klassische Wohngebäudeversicherung deckt nur Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Der Zusatzbaustein „weitere Naturgefahren“ (Elementarschäden) schützt Hausbesitzer gegen einen geringen Mehrbeitrag vor den finanziellen Folgen von Überschwemmung, witterungsbedingtem Rückstau, Erdbeben, Erdrutsch oder Lawinen. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus kostet das etwa 70 Euro im Jahr – und das in der Regel ohne besondere Mitwirkungspflichten wie zum Beispiel bauliche Maßnahmen…