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Erschienen in Ausgabe 4-2018Schlaglicht

Wirkungstreffer

Überspitzte Behauptungen der Verbraucherschützer prägen sich bei Bürgern tiefer ein als der Fakten-Check der Versicherer. Besser abgesichert werden die Menschen dadurch nicht. Bleibt die Frage, wer die Verbraucher vor den Verbraucherschützern schützt.

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Versicherer und Verbraucherschützer – sie liegen seit Jahren im Clinch. Inzwischen scheint sich jedoch ein Sieger im Kampf um die Deutungshoheit in den Medien heraus zu kristallisieren. Im Zeitalter des Populismus, wo Menschen nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme wie Niedrigzinsen suchen, haben es Verbraucherzentralen leicht. Gerichtsurteile zugunsten von Verbrauchern sowie das chronisch schlecht Image der Versicherer, die Kunden im Schadensfall alleine lassen, leisten ihr Übriges. Indes empfinden vor allem fair und sachlich arbeitende Vermittler die polemische Kritik besonders ehrverletzend. Vollkommen aussichtslos also ist die Vorstellung, dass beide Seiten – etwa für das hehre Ziel einer besseren Absicherung der Kunden – an einem Strang ziehen. Ohne Kontroverse würde der Verbraucherschutz seine Existenzberechtigung verlieren. Daher gilt bei ihnen das Geschäftsmodell: Aufmerksamkeit schaffen! Ein Vorgehen, welches die konservative und medienscheue Branche wie einen Kryptonit fürchtet – das einzige Material, das die Comic-Figur Superman schwächen kann. 
Schon seit der 1950er-Jahren wird von staatlicher Seite der Verbraucherschutz per Beratungsstellen und Warentests gefördert. Verbraucher sollen vor irreführender Werbung geschützt und in ihren Informationsrechten gestärkt werden. 1953 wird die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) gegründet und Anfang der 1960er-Jahren werden in allen westlichen Ländern der Bundesrepublik Deutschland Verbraucherzentralen (VZ) eröffnet. Eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb gibt den Verbraucherverbänden in Wettbewerbsstreitfällen die Klagebefugnis.

Staatlich geförderter Aufstieg und der Konter mit dem Versicherungsombudsmann

Anfang der 1980er-Jahren erhalten die Verbraucherzentralen die Erlaubnis zur außergerichtlichen Rechtsberatung. 1982 wird der Verein Bund der Versicherten (BdV) von Hans-Dieter Meyer gegründet. Schnell gewinnt der ehemalige Allianzvermittler mit erfolgreichen Musterprozessen und Verbandsklagen an Popularität. Meyer macht aber auch durch polarisierende Statements auf sich aufmerksam. So bezeichnet er die Lebensversicherung als „legalen Betrug.“ Klagen von Seiten der Branche in dieser Sache werden vom BdV gewonnen. Die Branche wird vom ihrem ehemaligen Vertriebler regelrecht gehetzt. So gibt er beispielsweise den Rat „Hoffentlich nicht Allianz-versichert, sondern Allianz-Aktionär“. Gleichzeitig wirft er den Versicherern vor, ihre Kunden mit Zehnjahresverträgen zu…