Erschienen in Ausgabe 4-2018Trends & Innovationen

„Wir experimentieren mit Chatbots“

Dirk Feldhaus, Kommunikationsleiter der Bundeswehr-Arbeitgebermarke, über Recruiting im Internet

Von Dirk FeldhausVersicherungswirtschaft

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Sowohl die Versicherungsbranche als auch die Bundeswehr kämpfen mit dem Nachwuchsmangel. Wieso ist es heute so schwer, an qualifiziertes Personal zu kommen?

Grundsätzlich ist die Bundeswehr gut aufgestellt, in der Masse bekommen wir ausreichend Bewerbungen, um geeignetes Personal auszuwählen, sowohl für die militärischen, als auch die zivilen Laufbahnen. Die demografische Entwicklung, gepaart mit einer dynamischen Wirtschaft, hinterlässt jedoch auch bei uns Spuren: Auch wir benötigen  IT-Personal, Techniker oder medizinisches Fachpersonal. Diese Leute werden ebenso von der Wirtschaft heiß umworben und können sich heute aussuchen, wo sie arbeiten wollen.

Welche Prbleme hat die Wehrpflicht-Abschaffung mit sich gebracht?

Die Freiwilligenarmee Bundeswehr konkurriert nun mit anderen großen Arbeitgebern um das gleiche Personal. Keiner muss mehr zur Bundeswehr kommen, keiner muss mehr bleiben. Das war zu Wehrpflichtzeiten anders. Also muss die Bundeswehr aktiv und mit dem richtigen Ton auf die jungen Menschen zugehen, um sich als Arbeitgeber ins Gespräch zu bringen, und sie muss der neuen Generation auch attraktive und wettbewerbsfähige Angebote machen. Der Bundeswehr kommt entgegen, dass heute nicht nur nach einem guten Auskommen gefragt wird, sondern verstärkt das Sinnstiftende im Beruf gesucht wird. Da hat die Bundeswehr etwas zu bieten.

Man muss aktiver auf junge Männer und Frauen zugehen, sagt Ursula von der Leyen. Wie genau geschieht das?

Wir müssen die jungen Leute dort ansprechen, wo sie sich heute aufhalten. Das ist zu einem ganz großen Teil das Internet. Darum bauen wir unsere Online-Aktivitäten konsequent aus. Ob Youtube, Instagram oder Snapchat, hier erreichen wir junge Leute auf Augenhöhe. Durch Maßnahmen wie "Die Rekruten" geschafft, 21 Prozent mehr Bewerbungen bei der Zielgruppe der Mannschaften und Unteroffizieren zu generieren. Aktuell experimentieren wir mit Chatbots. Der „Malibot“ zu unserer Youtube-Serie „Mali“ hat sich zu einem der größten deutschen Chatbots entwickelt. Daraus wurde der Jobbot, der Fragen zur Karriere bei der Bundeswehr beantwortet.

In der Öffentlichkeit kämpft die Bundeswehr, wie auch Versicherer, mit ihrem Ruf. Skandale überschatten das Tagesgeschehen. Muss man sich auch selbst an die Nase fassen?

In der Bundeswehr arbeiten über 250.000 Menschen. Da bleibt ein Fehlverhalten von Einzelpersonen nicht aus. Wir klären auf und ziehen, wo nötig, die Konsequenzen. Viel mehr sollte sich unser Fokus auf unsere Soldatinnen und Soldaten…