Ein Arzt, der nichts kostet, ist nichts wert: Für Gesellschaftsärztegibt es kein vorgeschriebenes Curriculum oder eine spezifische Ausbildung, es zählen eine langjährige klinische Berufserfahrung und versicherungsmedizinische Expertise.
Ein Arzt, der nichts kostet, ist nichts wert: Für Gesellschaftsärztegibt es kein vorgeschriebenes Curriculum oder eine spezifische Ausbildung, es zählen eine langjährige klinische Berufserfahrung und versicherungsmedizinische Expertise.Quelle: Fotolia / Photographee.eu
Erschienen in Ausgabe 4-2018Politik & Regulierung

Unverzichtbar und doch weitgehend unbekannt

Viele Krankenversicherer wissen nicht, dass die Beratung eines Gesellschaftsarztes zu nicht medizinisch notwendigen Leistungen Kosten in Millionenhöhe einsparen kann

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungswirtschaft

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Wenn private Krankenversicherer eine medizinische Expertise benötigen, fragen sie ihren internen medizinischen Berater – den Gesellschaftsarzt. Versicherungsunternehmen begannen bereits in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts damit, Ärzte für die Einschätzung von erhöhten Krankheits- und Todesfallrisiken zu konsultieren. Hierfür zogen sie nachvollziehbarerweise oftmals ihre Betriebsärzte heran. Dabei erkannten sie, dass die versicherungsmedizinische Beratung noch deutlich wichtiger für das Unternehmen ist, als die betriebsmedizinische Betreuung. So wurden aus den Betriebsärzten die ärztlichen Berater der Unternehmen: die Gesellschaftsärzte.
Trotz der langen Historie sind die Aufgaben und Kompetenzen von Gesellschaftsärzten bis zum heutigen Tag in der Bevölkerung völlig unbekannt. Aber auch Versicherer selbst wissen häufig nur recht kursorisch, welche Effekte sich aus der versicherungsmedizinischen Beratung ergeben. Publikationen in medizinischen Fachzeitschriften, die die Aufgaben des Gesellschaftsarztes betreffen, sind immer noch dünn gesät und stammen fast alle aus dem Hause Hallesche Krankenversicherung. Sie existieren erst seit einigen Jahren.

Nachbarländer sind in der Entwicklung der Versicherungsmedizin viel weiter

Auch an den Universitäten steckt die Versicherungsmedizin bestenfalls in den Kinderschuhen. In ganz Deutschland gibt es keinen einzigen Lehrstuhl für Versicherungsmedizin. Unsere Nachbarländer Belgien, Niederlande, Schweiz und Tschechien sind hier schon viel weiter. In einigen dieser Länder gibt es bereits seit vielen Jahren einen Facharzt für Versicherungsmedizin. Von all dem ist man in Deutschland weit entfernt. Die wichtigste Aufgabe des Gesellschaftsarztes eines privaten Krankenversicherers ist es, das Unternehmen intern zu beraten. Bei dieser Beratung geht es vor allem um die medizinische Notwendigkeit von ärztlichen und sonstigen medizinischen Leistungen. Der Gesellschaftsarzt trägt einerseits dafür Sorge, dass die Versicherten eine sehr gute medizinische Versorgung erhalten, aber auch dafür, im Interesse der Versichertengemeinschaft nicht wirksame, nicht indizierte und nicht medizinisch notwendige oder gar gefährliche Behandlungen zu identifizieren. Dies beinhaltet z.B. Art und Umfang von ärztlichen, physikalischen, ergotherapeutischen, logopädischen, psychotherapeutischen und sonstigen Behandlungen zu überprüfen und auch abzuklären, ob neue Behandlungsmethoden in Bezug auf ihre Wirksamkeit und Anwendungssicherheit bereits ausreichend…