Erschienen in Ausgabe 4-2018Märkte & Vertrieb

Nische sucht Zugkraft

Die Nachfrage nach Telematik-Tarifen ist bislang verhalten. Erst wenn alle Versicherer in das Geschäft einsteigen, kann sich das Produkt durchsetzen.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Telematik-Tarife sind dabei ihr Image als Nischenprodukte abzustreifen. Vor allem in der Kraftfahrtversicherung können sich viele Verbraucher vorstellen, vom eigenen bewussten Verhalten und im Schadenfall von schneller Hilfe zu profitieren. Auch einige Versicherer sind bereits auf den Zug aufgesprungen und bieten entsprechende Tarife an. Und das müssen sie auch, denn ansonsten werden sie von anderen Marktteilnehmern überholt. Manche Anbieter verwenden dafür eine App, andere einen Stecker im Zigarettenanzünder oder alternativ auch eine fest im Auto eingebaute Box. Letztere zeichnet alles auf, während man bei einer App das Handy auch daheim lassen kann, wenn es mal schnell gehen muss.15 Versicherer haben bereits Telematiktarife für ihre Kfz-Kunden im Portfolio, allen voran die beiden großen Player Allianz und Huk Coburg. Doch die Zahl der Kunden, die sich bisher dafür entschieden haben, liegt bei beiden bisher nur im fünfstelligen Bereich. Seit gut einem Jahr bietet die Huk den Telematiktarif Smart Driver für junge Fahrer unter 25 Jahren an. Mit den gut 50.000 Kunden sei man sehr zufrieden, betont ein Sprecher. Eine Partnerwerkstatt baut für Kunden kostenlos die Smart Driver Box ein. Darüber werden relevante Fahrdaten wie Geschwindigkeit und Beschleunigung erfasst. „Bei besonders sicherer Fahrweise erlassen wir bis zu 30 Prozent auf die Beiträge in Haftpflicht und Kasko“, erklärt er weiter. Die jungen Fahrer habe man ausgesucht, weil sie statistisch gesehen die meisten Unfälle verursachen. Den automatischen Unfallalarm gebe es daher dazu. Hilfreich für Fahrer könne auch das Feedback zur eigenen Fahrweise durch die Box sein.

Solidaritätsprinzip bleibt unangetastet

Inwieweit sich das Fahrverhalten dadurch ändere, könne noch nicht gesagt werden. Gegenwärtig werde geprüft, Telematiktarife auch anderen Kundengruppen anzubieten. Die Angst vor unberechtigtem Zugriff auf Daten sei unbegründet, betont der Sprecher. Denn: „Das Versicherungsunternehmen erhält keinerlei Zugriffe auf die Fahrdaten. Das ist alleinige Sache eines eigens dafür gegründeten Unternehmens, der Huk-Coburg Datenservice und Dienstleistungen GmbH (HDD GmbH). Die HDD GmbH wiederum hat keine Kenntnis vom Versicherungsnehmer, sondern arbeitet mit Pseudonymen.“ Auch die Sorge, dass die Solidarität bei so viel Differenzierung auf der Strecke bleibt, sei unberechtigt: Der Eintritt eines Unfalls bleibe ein zufälliges Ereignis, für das die Versichertengemeinschaft nach dem Solidaritätsprinzip eintritt. Daran…