Mehr fördern als fordern: Laut IHK-Studien hat die Integration von Flüchtlingen für Unternehmen eine hohe Relevanz.
Mehr fördern als fordern: Laut IHK-Studien hat die Integration von Flüchtlingen für Unternehmen eine hohe Relevanz.Quelle: Fotolia / © Frank Gärtner
Erschienen in Ausgabe 4-2018Unternehmen & Management

It´s the language - stupid!  

Versicherer bemühen sich Flüchtlinge ins Tagesgeschäft zu integrieren – auch für Marketingzwecke. Doch fehlende Deutschkenntnisse und niedriges Bildungsniveau sind große Hindernisse bei der Einstellung.

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft
Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit Querschnitt-Charakter und -Funktion hat die Politik, von der Bundeskanzlerin bis zu den relevanten zivilgesellschaftlichen Kreisen, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt an Unternehmen, Mittelstand und Wirtschaft adressiert. In die Tat umsetzen sollen dies die Unternehmen mit Angeboten für Praktika, Schnupper-Jobs oder Lehrlingsverträgen. Das ist leichter gesagt als getan, denn zum Credo der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das!“  gehört komplemetär von Seiten der Flüchtlinge auch ein „Wir wollen das schaffen!“. Als größtes Hindernis entpuppt sich bei allen Bemühungen um die Integration in den Arbeitsmarkt die sprachliche Barriere, sodass man allen an der Integration beteiligten Partnern in Abwandlung des geflügelten Wortes aus der erfolgreichen Präsidentschaftskandidatur Bill Clinton`s von 1992 zurufen könnte: It´s the language, stupid! 
Deutschland ist ein hochtechnisiertes, durchreguliertes und dem Arbeitsethos verpflichteter Industriestaat, der neben den klassischen Handwerksberufen und Dienstleistungsangeboten, so ziemlich jeden Job für ausbildungsinteressierte junge Menschen bereit hält, den eine entwickelte Gesellschaft westlicher Prägung nur anbieten kann. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern ist auch bei den Unternehmen landauf und landab riesig. Die permanente Diskussion um den sogenannten Fachkräftemangel spricht hierzu ganze Bände. Als direkte Reaktion darauf hat neben der Migration aus zahlreichen Staaten der Europäischen Union, wie Spanien, Italien, Polen oder Griechenland mit dem Aussetzen der Schengen-Regelung 2015 eine große Zuwanderungsbewegung auch aus dem arabisch-afrikanischen Raum eingesetzt. Argumentativ begleitet wurden die Wanderungsbewegungen aus Wirtschaft und Politik, neben der reinen humanitären Verpflichtung Deutschlands, vor allen Dingen mit dem demografischen Wandel, demzufolge die Deutschen immer weniger werden, was die sozialen Sicherungssysteme bedroht und deshalb neue Arbeitskräfte und Beitragszahler notwendig macht. „Jetzt sind sie eben da“ , kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel lakonisch den Zuzug von mehr als einer Millionen Menschen, doch vom reinen „da sein" bis zum wirklichen „angekommen sein“  ist es ein weiter Weg, ein sehr weiter sogar, wie ein Blick in die Finanz- und Versicherungswirtschaft dieser Tage zeigt.

Integrationsgesetz hat auch Nachteile für Betriebe

Im jüngst veröffentlichten Erfahrungsbericht des Deutschen Industrie und Handelskammertages aus zwei Jahren IHK-Aktionsprogramm „Ankommen in  Deutschland – Gemeinsam unterstüten wir Integration“ schreiben die Autoren: Zwei Jahre Erfahrungen im Rahmen des IHK-Aktionsprogramms zeigen, das Thema Integration in Ausbildung und Beschäftigung hat für die Unternehmen weiterhin hohe Relevanz. Vom Start des Aktionsprogramms 2016 bis einschließlich 2018 investierte hier die IHK ein Gesamtvolumen von insgesamt fast 50 Mio. Euro und setzte dafür deutschlandweit rund 160 Mitarbeiter ein. Mit zahlreichen Fragen wandten sich die Unternehmen dabei an die Kammern. Der größte Informations- und Beratungsbedarf bestand bei den rechtlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Einstellung und Beschäftigung von Flüchtlingen, insbesondere mit Blick auf den Aufenthaltsstatus, die Beschäftigungserlaubnis und zur Zuständigkeit der Behörden. Fragen zur Sprach- und Ausbildungsförderung folgten auf den Plätzen zwei und drei. Laut einer Umfrage bewerteten 65 Prozent den erleichterten Zugang und eine mögliche Teilnahmeverpflichtung zu Integrationskursen für Asylsuchende mit guter Bleibeperspektive als sehr positiv. Denn gute Sprachkenntnisse sind eine wesentliche Bedingung, um eine Ausbildung erfolgreich beenden zu können. Allerdings reichen die Sprachkenntnisse trotz Integrationskurs oft nicht aus, um im Betrieb Fuß zu fassen und eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, lauten die Ergebnisse der Umfrage in der Zusammenfassung. Daher ist, so die DIHK in ihrer Studie weiter, ein verstärktes Angebot an berufsspezifischen und ausbildungs- sowie berufsbegleitenden Sprachkursen notwendig. Fast dreiviertel der befragten Unternehmen gaben zudem an, dass das Angebot an berufsbezogenen Deutschsprachkursen nicht ausreicht. Vor allem im ländlichen Raum mangelt es an entsprechenden Angeboten. Die IHK Coburg berichtet in diesem Zusammenhang: „In Stadt und Landkreis befinden sich zur Zeit ca. 170 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge und darüber hinaus viele weitere hoffentlich ausbildungsfähige Neuankömmlinge mit guter Bleibeperspektive.“  Groß ist auf jeden Fall die Bereitschaft der Unternehmen, Flüchtlingen den Berufsstart zu ermöglichen. Dazu wurde mit den Gebietskörperschaften aus Stadt & Landkreis vereinbart, die Aufnahme einer Ausbildung als Duldungsgrund zu akzeptieren, mit der Aussicht auf eine echte Bleibeperspektive. Es bleiben jedoch etliche Unsicherheitsfaktoren, trotz der 2016 über das Integrationsgesetz eingeführten „3+2-Regelung“ . Diese sollte eigentlich Klarheit und Rechtssicherheit für drei Jahre Ausbildung plus zwei Jahre Weiterbeschäftigung schaffen, wird aber nach wie vor von den Bundesländern und den Ausländerbehören sehr unterschiedlich umgesetzt. Bei Unternehmen und Geflüchteten sorgt dies für große Verunsicherung. Die wird noch gesteigert durch die Vorschrift, einen Ausbildungsabbruch innerhalb einer Woche schriftlich der Ausländerbehörde anzuzeigen. Robuste 30.000 Euro beträgt bei Fehlverhalten das drohende Bußgeld. Ein Ausschluß-Kriterium, nicht nur für kleine Betriebe und Mittelständler und schlicht „ein falsches Signal“ , so die DIHK in ihrem Bericht abschließend.
 

Signal-Iduna verweist auf komplexe Produktwelt

Sehr praktisch engagiert sind mehr als 1500 Betriebe im „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ , darunter auch rund 30 Unternehmen aus der Versicherungswirtschaft. Das Netzwerk gestaltet bundesweite Veranstaltungen, bei denen Unternehmen ihre eigenen Praxis-Beispiele und ihr Wissen austauschen können. Zudem bietet das Netzwerk Webinare an, in denen die Mitglieder ihr Know-how zur erfolgreichen Integration von Flüchtlingen entwickeln und professionalisieren können. Themen der Webinare sind zum Beispiel die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, arbeitsrechtliche Fragen, Fördermöglichkeiten und interkulturelle Aspekte. Eine von der Versicherungswirtschaft initiierte Branchenumfrage, welche Aktivitäten hinsichtlich der Ausbildung und Integration von Flüchtlingen in den jeweiligen Häusern konkret unternommen wurden und was man ganz generell zur Bewältigung dieser großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung unternimmt, offenbart ein ganzes Spektrum an Initiativen, Programmen und Projekten. So berichtet die Signal-Iduna aus Dortmund: „Aus unserer Sicht sind fehlende Sprachkenntnisse das Haupthindernis, um Flüchtlinge beispielsweise im Versicherungsvertrieb einzusetzen. Diese werden allein schon deshalb gebraucht, um sich das nötige Produktwissen aneignen zu können, aber auch um unsere anspruchsvolle Beratungsphilosophie zu verstehen. Zudem ist das deutsche Vermittlerrecht sehr komplex und verlangt darüber hinaus unter anderem eine umfangreiche Sachkundeprüfung. Daher setzen wir bei allen Bewerbern mindestens gute deutsche Sprachkenntnisse in Wort und Schrift voraus. Es muss also darum gehen, Migranten fit zu machen, damit sie ausbildungsfähig werden. Daher unterstützt die Signal Iduna Initiativen, beipielsweise der Industrie- und Handelskammer Dortmund, um Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.“  Konkret ist man am Integrationsprojekt „Flüchtligsbus“  beteiligt, welches Flüchtlinge und potenzielle Ausbildungsunternehmen in Kontakt zueinander bringt.
 

Huk-Coburg zögert, Allianz stellt ein

Sprache als Schlüssel zum Erfolg steht auch beim Engagement der Huk-Coburg im Mittelpunkt der Aktivitäten: „Wir sind überzeugt“ , so das Unternehmen in seiner Antwort auf die Umfrage, "dass Deutschkenntnisse die entscheidende Grundlage bilden, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Deswegen ist es der Huk-Coburg wichtig zu helfen, die Deutschkenntnisse von Flüchtlingen zu verbessern. Bereits Ende 2015 hatte die Huk-Coburg mit ihrer jährlichen Weihnachtsspende 10.000 Euro an die Stadt Coburg gespendet, um die Integrationsarbeit  zu erleichtern und die Flüchtlinge beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Denn den meisten fehlen bereits Grundkenntnisse. Das sind schlechte Voraussetzungen für einen Berufseinstieg. Deshalb unterrichten viele Beschäftigte der Huk-Coburg mehrmals pro Woche in der deutschen Sprache. Das alles geschieht auf freiwilliger Basis. Darüber hinaus prüft die Huk-Coburg natürlich alle Möglichkeiten, um Flüchtlinge in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen, wenn die Voraussetzungen passen.“ 
Sehr ernst nimmt auch die Allianz Deutschland ihre gesellschaftliche Verantwortung. In München ist man der Meinung, dass auch Geflüchtete für klassische Berufsbilder in der Versicherungswirtschaft qualifiziert werden können. Wer sich als geeignet erweist, kann bei der Allianz Deutschland entweder direkt in die Ausbildung einsteigen oder durchläuft zunächst eine sogenannte Einstiegsqualifizierung. Dabei wird der Kandidat mit einem einjährigen dualen Vorbereitungskurs auf die folgende Berufsausbildung vorqualifiziert. Im Herbst 2017 hat das Unternehmen an drei Standorten der Allianz Deutschland im Innendienst insgesamt 20 Geflüchtete eingestellt. Davon befinden sich zwölf in der Einstiegsqualifizierung und acht in der dualen Ausbildung. Darunter sind sowohl Köche, Maschinen- und Anlageführer als auch Kaufleute für Büromanagement und Kaufleute für Versicherung und Finanzen. Hinzu kommt am Standort Stuttgart ein Student mit Fluchthintergrund für die duale Hochschule Baden-Württemberg in Betriebswirtschaftslehre. Als größte Hürde erweisen sich die meist begrenzten Sprachkenntnisse der Geflüchteten, so die bisherigen Erfahrung. Um die Berufsschule gut zu meistern und im Unternehmen erfolgreich zu sein, reicht das Niveau aus erfolgreich absolvierten Integrationskursen leider häufig nicht aus. Im Unternehmen ist man daher sehr froh darüber, dass Kollegen in ihrer Freizeit freiwillig als Sprachcoaches zur Verfügung stehen. Außerdem finanziert die Allianz den Geflüchteten einen Online-Sprachkurs von LinguaTV. Weitere Ehrenamtliche aus der Allianz Deutschland betreuen die Auszubildenden als Mentoren oder Lern-Buddies. Alle Kollegen, die mit Geflüchteten zu tun haben, konnten zudem an einem interkulturellen Training teilnehmen: „Die positiven Rückmeldungen unserer in der Integrationsoffensive engagierten Mitarbeiter verdeutlichen uns, dass die Geflüchteten mit einer hohen Motivation an ihre Ausbildung und Integration arbeiten. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Engagements zur gelebten Vielfalt in unserem Unternehmen positiv beitragen können. So können wir auch die Wünsche und Bedürfnisse des Marktes besser adressieren“, so Deutschlands größtes Versicherungsunternehmen auf Nachfrage.

Bei Axa bringen selten Mitarbeiter alle Skills mit

Auf Paragraph zwei der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Verbot der Diskriminierung) konzentriert sich Wettbewerber Axa wenn das Unternehmen auf die Frage „Welche Chancen haben Flüchtlinge ganz generell in der Versicherungswirtschaft aktiv zu werden und an welchen Stellen ist dies denkbar?“ , sowie die Fragen nach „Aufwand, Kosten und Vorteile eines multikulturellen Vertriebs?“ antwortet: „Die Axa macht bei der Einstellung neuer Mitarbeiter keinen Unterschied bei Geschlecht, sexueller Orientierung oder nationaler Herkunft. Im Gegenteil: Wir legen großen Wert auf ein tolerantes Miteinander und empfinden Vielfalt als eine bereichernde und kreative Ressource sowie als entscheidenden Wettbewerbsfaktor für unser Unternehmen. Ob ein potenzieller neuer Mitarbeiter in Deutschland geboren ist, schon längerer Zeit in Deutschland lebt oder einen aktuellen Flüchtlingsstatus hat, spielt für den Bewerbungsprozess zunächst keine Rolle. Die Einstellungskriterien sind für alle Neueinstellungen die gleichen: Bewerber müssen die entsprechenden Anforderungskriterien für das jeweilige Jobprofil erfüllen und die deutsche Sprache mündlich und schriftlich soweit beherrschen, dass das Arbeiten in dem jeweiligen Fachgebiet möglich ist. Dieser Anspruch kann je nach Fachgebiet natürlich unterschiedlich ausfallen. Daher können wir hierzu keine pauschale Aussage treffen. Generell bringen selten alle Mitarbeiter von Anfang alle notwendigen Skills mit. Unsere Aufgabe als Arbeitgeber ist es, diese fehlenden Skills im Rahmen der Mitarbeiterentwicklung gemeinsam mit dem Mitarbeiter auf- und auszubauen“ , so das Unternehmen weiter.
 

Munich Re investiert in Flüchtlingsportale

Aber auch Rückversicherer wie die Munich Re engagieren sich beim Thema Flüchtlinge, schränken jedoch ein: „Als großer Arbeitgeber ist Munich Re natürlich an Bewerbungen von (ehemaligen) Flüchtlingen interessiert. Gleichzeitig bringen die Funktionen in unseren Unternehmen größtenteils hohe, spezielle Anforderungen mit sich; daher ist unverändert keine sehr große Anzahl an festen Anstellungen zu erwarten. Im Konzern haben mehrere Flüchtlinge ein Praktikum absolviert bzw. sich für eine Ausbildung qualifiziert. Munich Re veröffentlicht regelmäßig ihre Stellenanzeigen auf der speziell für Flüchtlinge entwickelten Infoplattform www.careers4refugees.de innerhalb des mehrsprachigen Flüchtlingsportal www.refugees.telekom.de – einer in Deutschland wichtigen Plattform zur Informationsvermittlung und Kontaktaufnahme für Flüchtlinge. Mit anderen deutschen Unternehmen verpflichtet sich die Munich Re Gruppe im Rahmen von „Wir zusammen – Die Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft“ zur Unterstützung des Integrationsprozesses in Deutschland. Munich Re fokussiert sich dabei auf die Unterstützung nachhaltiger Integrations- und Bildungs­projekte. Darüber hinaus beteiligt man sich als Mitgliedsunternehmen des Stifterverbands am Sonderprogramm „Integration durch Bildung.“ Es verfolgt zwei sich verstärkende Lösungsansätze: Die individuelle Förderung von Flüchtlingen und den gleichzeitigen Aufbau von akademischen Strukturen, die dauerhaft die bestmögliche Integration von Flüchtlingen in unser Bildungssystem sicherstellen (https://www.stifterverband.org/integration-durch-bildung). In der Aktionslinie „Integration durch Spracherwerb“, an der sich Munich Re maßgeblich beteiligt, soll z.B. der Sprachunterricht für Flüchtlinge an Schulen und Hochschulen verbessert sowie die Anzahl und die Ausbildung qualifizierter Sprach-Lehrkräfte konsequent ausgebaut werden.“ 
Diese Antworten decken sich auch mit den Forschungsergebnissen die das Münchenr Ifo-Institut identifiziert hat: Überwiegend suchen Geflüchtete Arbeit in Berufsfeldern, in welchen die Deutsche Sprache nicht von oberster Priorität für die Ausübung der Tätigkeit ist. Aktuelle Zahlen von Ende 2017 besagen, dass 415.000 Geflüchtete in Deutschland als unterbeschäftigt erfasst wurden, wobei diese Zahlen auch die Personen mit aufnimmt, die sich derzeit in Integrations-, Sprach- ud Arbeitsmarktprogrammen befinden. Zur Zeit sind rund 140.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aus den Hauptfluchtländern registriert worden, inklusive Praktikanten und Auszubildende. Dabei werden die Beschäftighten allerdings nach Staatsbürgerschaften und nicht nach Aufenthaltsstatus registriert. Als sehr hoch und monetär kaum zu beziffern schätzt das Ifo-Institut den Aufwand an Zeit, Sprachkursen und Integration ein. Deshalb können Betriebe und Unternehmen den gesamten Prozess der Ausbildung von Flüchtlingen auch kaum alleine stemmen. Um die Kosten einer Ausbildung für die Unternehmen so gering wie möglich zu halten, ist es wichtig, dass vorher eine gute Integration und ein Erlernen der Sprache stattgefunden hat, resümiert das Institut weiter. Anreize müssen so gesetzt werden, dass es für Unternehmen aus Kostensicht keinen Unterschied macht, wen sie einstellen. Neben den mangelnden Sprachkenntnissen erschweren vor allen Dingen fehlende Schulabschlüsse die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Schutzsuchende verlassen ihr Land oftmals ohne Nachweise über einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das durchschnittliche Bildungsniveau von ca. der Hälfte der Migranten ist als gering eingestuft worden. Somit ist eine Integration in höher qualifizierte Berufe, speziell in der Finanz- und Versicherungswirtschaft daher in den meisten Fällen sehr schwierig. Es ist zu erwarten, dass die komplette Integration noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird und einen langfristigen Prozess darstellt. Als langfristigen Vorteil eines multikulturellen Vertriebs sieht das Ifo eine positive Wirkung bei der Außendarstellung und das Marketing des Unternehmens, wenn sich ein Betrieb stark in der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt engagiert. Des Weiteren wird dabei die gesamte Belegschaft für diese Art von Themen sensibilisiert und es findet ein Austausch darüber statt. Langfristig können sich so auch positive Effekte für das Marketing des Unternehmens und das Erreichen von Zielgruppen aus und in den Herkunftsländern ergeben. Doch dies ist ein langer mühsamer Prozess, bei dem auch die Frage nach dem Return on Investment erst in ferner Zukunft beantwortet werden kann.

Anzahl der neuen Teilnehmer an Integrationskursen in Deutschland 2016
Anzahl der neuen Teilnehmer an Integrationskursen in Deutschland 2016Quelle: Quelle: BAMF