Erschienen in Ausgabe 4-2018Politik & Regulierung

In Deckung vor gefallenen Managern

Die Nachfrage nach D&O-Policen ist sprunghaft gestiegen, ebenso wie die Versicherungssummen. Mit immer komplexeren Haftungsrisiken entstehen auch neue Deckungskonzepte.

Von Patrick Seul und Michael UnglaubVersicherungswirtschaft

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Wenn Bilfinger von Ex-CEO Roland Koch Schadenersatz fordert, dann betrifft das auch die Versicherer. Denn der Baukonzern hat für Vorstände und Aufsichtsräte eine Managerhaftpflichtpolice abgeschlossen, die Directors‘ and Officers‘ Liability (D&O). Eine Deckung, deren Vorgänger ihren Ursprung zwar in Deutschland hatte, die sich jedoch zunächst in den USA entfaltete und erst in den achtziger Jahren wieder nach Deutschland „schwappte“. Erst 1997 im Anschluss an das „ARAG-Garmenbeck-Urteil“ des BGH erlebte die D&O-Versicherung auch hierzulande eine rasante Entwicklung. Allerdings hat sich die gesetzliche Rechtslage seit Inkrafttreten des AktG (1937) und des GmbHG (1892) im Kern nicht verändert. Es brauchte also über 60 Jahre, um diesen Quell der Haftung aufleben zu lassen.
Verfolgen wir den Zeitstrahl bis zum heutigen Tag, so zeigt sich eine bedrückende Entwicklung für Organmitglieder und Entscheidungsträger – gleichzeitig  jedoch auch ein Auftrag an Versicherer und Makler, neue Konzepte zu entwickeln. Der Grund hierfür: Nicht nur werden immer mehr Klagen und Prozesse gegen Organmitglieder angestrengt, sondern zusätzlich immer höhere Schadensummen eingeklagt. Es kursiert bereits der nicht unberechtigte Begriff der „Klagegesellschaft“ Deutschland. „To make a case out of it“ scheint auch hier in Mode zu kommen, haben die Schadensersatzklagen doch an Qualität und Quantität deutlich zugenommen. Es sind daher nicht nur die Unternehmen, welche potentielle Pflichtverletzungen der Unternehmensleiter einklagen, sondern insbesondere auch die Insolvenzverwalter. Mit Prozessfinanzierern und ausländischen Kanzleien, die sich auf die Bündelung von Klagen spezialisiert haben (insb. für Verbraucher), haben neue Mitspieler das Feld betreten.
Noch nie war das Privatvermögen der Organmitglieder durch Inanspruchnahmen derart gefährdet wie zur heutigen Zeit. Das Wissen, dass eine Versicherung desselbigen „lebensnotwendig“ sein kann, hat sich nicht nur bei Organmitgliedern von Großkunden, sondern auch im Mittelstand herumgesprochen. Der Großteil der Organmitglieder legt jedoch in der heutigen Zeit peniblen Wert auf die D&O-Versicherung und lässt sich Ihren Schutz durch Verschaffungsklauseln im Dienstvertrag  zusichern. Bietet die Firma einen solchen Versicherungsschutz nicht an, sind Rücktritte von Organmitgliedern nicht ausgeschlossen.
Doch nicht nur das finanzielle Risiko ist enorm, auch die psychische Belastung im Schadenfall ist für die einzelne Person nicht zu…