Erschienen in Ausgabe 4-2018Unternehmen & Management

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Spanische Regierung ergreift Maßnahmen gegen unrentable Pensionsfonds

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Die Reform des Rentensystems ist von zentraler Bedeutung und muss dringend verabschiedet werden“, sagt Ángel Martínez-Aldama. Der Weckruf vom Präsidenten des spanischen Verbandes der Investmentgesellschaften und Pensionsfondsverwalter Inverco kommt nicht ohne Grund, denn der private Altersvorsorgemarkt steckt in der Krise. Das einstige Zugpferd der privaten Vorsorge, die Pensionsfonds, hat seit dem Beginn der Wirtschaftskrise in 2008 massiv an Wachstumsdynamik verloren. Aktuell setzt sich diese Entwicklung fort, wie die von Inverco gerade vorgelegten Zahlen zum erneut enttäuschenden 2017-Ergebnis zeigen. Das verwaltete Vermögen der Pensionsfondsverwalter ist zwar um vier Prozent auf 111 Mrd. Euro gestiegen, jedoch beruht das vor allem auf der Entwicklung der Kapitalmärkte. In Spanien gibt es die Pensionsfonds seit dem Ende der Achtzigerjahre und sie profitieren von attraktiven Steuervorteilen.
Der Blick auf die Details macht die Strukturprobleme der Pensionsfonds deutlich. Die Netto-Neuzuflüsse erreichten 2017 trotz des Wirtschaftsbooms gerade einmal eine Höhe von 436 Mio. Euro. Zum Vergleich: Vor der Wirtschaftskrise 2008 flossen jährlich bis zu fünf Mrd. Euro netto in die Pensionspläne. Zudem ist die Anzahl der Pensionspläne 2017 erneut um 2,1 Prozent auf 9,7 Millionen zurückgegangen. Kein Geschäftssegment konnte sich dabei der negativen Entwicklung entziehen. Im Privatkundengeschäft ist die Anzahl um 2,5 Prozent auf 7,6 Millionen gefallen, im betrieblichen Geschäft um 0,8 Prozent auf zwei Millionen. Das Geschäft der Pensionsfondsverwalter zeigt damit die gleichen strukturellen Probleme, wie das der Lebensversicherer. Im Segment kapitalbildende Lebensversicherung ist die Anzahl der Kunden in 2017 ebenfalls spürbar um 3,8 Prozent auf 9,5 Millionen abgeschmolzen. Die Banken dominieren das Pensionsfondsgeschäft eklatant und setzen die produktpolitischen Akzente. Der Branchenprimus ist mit einem Marktanteil von 23,5 Prozent die Großbank Caixabank, die mit ihrem hauseigenen Bancassurance-Versicherer VidaCaixa auch den Assekuranzmarkt anführt. Die weiteren Podestplätze gehören den Bankengruppen BBVA (20,1%) und Santander (8,9%). Mit Mapfre und der Allianz Popular befinden sich nur zwei Versicherer mit Allfinanzbündnissen in den Top Ten. Problematisch ist nicht nur die rückläufige Entwicklung bei der Anzahl der Pensionspläne. Auch das Sparverhalten bei noch bestehenden Verträgen gibt Anlass zur Sorge. Nach einer gerade vorgelegten Studie von Inverco haben 2016…