Ein Protektionist im Epizentrum des freien Handels: US-Präsident Donald Trump stiehlt allen übrigen Gästen die Schau.
Ein Protektionist im Epizentrum des freien Handels: US-Präsident Donald Trump stiehlt allen übrigen Gästen die Schau.Quelle: World Economic Forum / Benedikt von Loebell, https://www.flickr.com/photos/worldeconomicforum/39859739092/
Erschienen in Ausgabe 2-2018Märkte & Vertrieb

So mächtig und doch zerbrechlich

Weltelite diskutiert auf dem Weltwirtschaftsforum über soziale Ungleichheit und den Klimawandel als größtes Risiko: Bei Versicherern trifft man auf offene Ohren.

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Auf sieben Boomjahre folgt die Flaute. Diese volkswirtschaftliche Weisheit scheint nicht  mehr zu gelten. Fast ein Jahrzehnt steigen nun die Aktienkurse in den USA und Europa. Der Crash ist überfällig. „Die Frage ist nicht ob, sondern wann“, erklärt Allianz-Chef Oliver Bäte.„Die Märkte sind jetzt sehr gefährlich.“ Denn der Aufschwung in seiner Form ist einmalig. Er hängt unmittelbar mit einer bespiellosen Geldflut der Zentralbanken zusammen. Geldpolitiker würden gerne die Schleusen schließen, doch das können sie erst – gemäß Ökonomielehrbuch – wenn endlich die Inflation anzieht. Doch sie scheint verschwunden zu sein. In der Eurozone gab es seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 durchschnittlich 1,1 Prozent Inflation, in den USA waren es 1,4 Prozent und in Japan nur 0,3 Prozent. Dass es zu unkontrollierbaren Preisauftrieb kommt, wird als einer der geringsten Risiken von 1.000 Spitzenmanager in Wirtschaft und Politik eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt der Global Risks Report 2018, den das Weltwirtschaftsforum (WEF) zusammen mit dem Schweizer Versicherer Zurich eine Woche vor seinem jährlichen Treffen in Davos vorgestellt hat. Fast 60 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die globalen Risiken in diesem Jahr wachsen, nur sieben Prozent glauben, dass sich die Lage entspannt. Von den 30 globalen Risiken, die die Experten in Bezug auf Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen gewichten sollten, wurden Umweltrisiken wie extreme Wetterereignisse, vom Menschen verursachte Umweltkatastrophen und das Scheitern von Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel hoch eingestuft. Lediglich Cyberattacken sind das einzige Top-Bedrohungsszenario, das nicht von der Umwelt ausgeht. Entsprechend erwarten Munich Re und die Allianz einen deutlichen Anstieg bei der Nachfrage nach Cyberpolicen. „In zehn Jahren könnte es ein weltweites Marktvolumen von zwanzig Mrd. Euro geben“, prophezeit Andreas Berger, Vorstand bei Allianz Global Corporate & Speciality  (AGCS). Eng damit verbunden ist die Furcht vor Betriebsunterbrechungen. Diese sind auf Platz eins der gefürchtesten Risiken aus Unternehmenssichts, heißt es im dem parallel veröffentlichten Risk Barometer 2018 der AGCS. Dahinter folgen erneut Cybervorfälle und Naturkatastrophen. 

Reformideen mit Applaus

Letzteres dürfte damit zusammenhängen, dass das vergangene Jahr mit rund 110 Mrd. Euro an versicherten Unwetterschäden eines der teuersten für die Assekuranz überhaupt gewesen ist. Umso erfreuter sind…