Business-Coach und Kommunikationsexperte Emilio Galli Zugaro: Der gelernte Wirtschaftsjournalist war bis 2015 rund 23 Jahre lang Pressechef der Allianz. Heute ist der 57-jährige als Präsident von Methodos SpA und Senior Adviser von FTI Consulting tätig. Im Dezember letzten Jahres erschien sein Buch „The Listening Leader“. 2017 hat er die Orvieto Academy for Communicative Leadership gegründet.
Business-Coach und Kommunikationsexperte Emilio Galli Zugaro: Der gelernte Wirtschaftsjournalist war bis 2015 rund 23 Jahre lang Pressechef der Allianz. Heute ist der 57-jährige als Präsident von Methodos SpA und Senior Adviser von FTI Consulting tätig. Im Dezember letzten Jahres erschien sein Buch „The Listening Leader“. 2017 hat er die Orvieto Academy for Communicative Leadership gegründet.Quelle: http://www.galli-zugaro.com
Erschienen in Ausgabe 2-2018Schlaglicht

„Die Chance, sich als Manager gut darzustellen, ist für die nächsten zehn Jahre verloren"

Emilio Galli Zugaro, Grandseigneur der Unternehmenskommunikation, über Gate Keeper zur Öffentlichkeit, die Macht des Kunden und das Image der Versicherer

Versicherungswirtschaft

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Sie prägten über 20 Jahre lang das öffentliche Bild eines der größten Versicherungskonzerne. Glauben Sie, dass die Kommunikationsarbeit damals einfacher war als heute?

Ja und nein. Aus meiner Sicht ist Kommunikation heutzutage genauso schwer wie vor 30 Jahren. Allerdings hat sich das Umfeld durch die sozialen Medien und das Internet deutlich verändert und vor allem vergrößert. Der Bewerber auf eine Stelle ist in vielen Fällen sogar besser informiert als der Ansprechpartner im Unternehmen, weil er sehr viele Datenquellen abfragen kann. Ich vergleiche das immer gern mit einem frostigen Boden, der früher kaum umzugraben war. Heutzutage lässt das die moderne Technik zu. Nur geht es nicht mehr um vielleicht 50 Zentimeter, sondern um eine komplette Grube oder ein Bergwerk. Das heißt, um wieder auf die Kommunikation zurück zu kommen, deren Komplexität hat deutlich zugenommen.

Was müssen Ihrer Meinung nach die Pressestellen der Versicherer in Ihrer Außenwirkung verbessern? Ist beispielsweise eine Zusammenarbeit mit dem Marketing unabdingbar?

Die Frage nach irgendeiner Zusammenarbeit ist für mich seltsam. Heutzutage kann eine Kommunikationsabteilung nur reüssieren, wenn sie mit allen Bereichen des Unternehmens engstens zusammenarbeitet. Früher speiste sie sich überwiegend aus dem persönlichen Verhältnis des Kommunikationschefs zum Vorstandschef. Die beiden besprachen sich. Dann wurde das Ganze in der Organisation verlautbart. Heute ist ein solches Verfahren unmöglich. Um zum Beispiel die Kunden zu erreichen, muss man eng mit Vertrieb und Marketing zusammenarbeiten. Um die Mitarbeiter zu informieren, braucht es die Kooperation mit der Personalabteilung und allen Führungskräften. Ähnlich ist es, wenn es um Informationen für die Eigentümer des Unternehmens geht. Hier bedarf es unter anderem der Zusammenarbeit mit den betriebswirtschaftlichen Bereichen. Die Kommunikationsabteilung muss also mit allen Schnittstellenfunktionen im engen Kontakt stehen. Die Kommunikatoren im Unternehmen brauchen dafür eine pädagogisch, strategisch und betriebswirtschaftlich qualifizierte Ausbildung.

Wo muss ein Pressesprecher im Unternehmen hierarchisch angesiedelt sein?

Das hängt davon ab, wie wichtig einem Unternehmen die Stakeholder sind. Hat das Unternehmen ein Monopol und braucht keinen Wettbewerb zu fürchten, oder wenn es staatlich geschützt ist, braucht die Kommunikation nicht hoch angesiedelt zu sein. Wenn das Unternehmen aber überleben und im Markt bestehen soll, kann es ohne…