Mehr Staat oder mehr privat? Rentenpolitische Bemühungen Kompromisse aufzugleisen wirken häufig hilflos.
Mehr Staat oder mehr privat? Rentenpolitische Bemühungen Kompromisse aufzugleisen wirken häufig hilflos.Quelle: Deutscher Bundestag/ Achim Melde
Erschienen in Ausgabe 2-2018Märkte & Vertrieb

Sparen, Sparen, Rente wahren

Deutsche Altersvorsorge im internationalen Vergleich

Von Prof. Dr. Martin ElingVersicherungswirtschaft

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Viele Menschen wünschen sich umfassende Reformen im Bereich der Altersvorsorge. Dies insbesondere mit dem Ziel das Rentenniveau nachhaltig zu stabilisieren und der Gefahr einer Altersarmut entgegen zu treten. Demgegenüber stehen die manchmal etwas hilflos wirkenden Bemühungen der Politik Kompromisse aufzugleisen, die echte Verbesserungen bewirken. So bleibt der Eindruck, dass Reformen im Bereich der Altersvorsorge stets Flickwerk sind, eine Operation am lebenden Patienten, ein Widerspiel politischer Interessen zwischen „mehr Staat“ versus „mehr Privat“. Ohne Zweifel stellt die Einführung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in diesem Kontext einen Schritt in die richtige Richtung dar. Aber kann es einen echten Nutzen zur Beseitigung der Rentenlücke leisten? Deutschland hat in der Altersvorsorge schon lange den Anschluss an die internationalen Entwicklungen verloren. Wichtige Reformen wurden über Jahrzehnte verschlafen. Während viele Nachbarländer schon in den 1970er und 1980er Jahren effiziente Drei-Säulen-Modelle aufgebaut haben, ist die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland auf betrieblicher wie auf privater Basis immer noch stark unterentwickelt. Das mehrheitlich umlagefinanzierte Altersvorsorgemodell kommt nun mit dem Renteneintritt der Baby-Boomer-Generation derart unter Druck, dass eines der reichsten Länder der Welt vielen zukünftigen Rentnern kaum noch eine Existenzsicherung in Aussicht stellen kann. 

Kaum Anreize, länger zu arbeiten

Viel zu spät und hilflos wirken die Bemühungen etwa mit der Riester-Rente, die private Altersvorsorge auf die Beine zu stellen. Oftmals bleibt das Gefühl, das sich mancher Politiker immer noch in der Norbert-Blüm-Welt der 1990er Jahre befindet: „Die Rente ist sicher“, eine Aussage, die sozialpolitisch gefährlich ist. Ökonomisch und sozial widersinnig war auch die Rolle rückwärts zum Rentenalter 63. Denn die Menschen, die sich nun nach 45 Beitragsjahren in den Ruhestand verabschieden, sind in vielen Fällen gerade diejenigen, die der deutsche Arbeitsmarkt so dringend braucht. Stichwort Fachkräftemangel. Anreize länger zu arbeiten, sind kaum vorhanden. Eher das Gegenteil. Wenn der Staat schon keine Anstrengungen zur Altersvorsorge unternimmt, könnte man wenigstens den Einzelnen in die Lage versetzen, für sich vorzusorgen. Angesichts von Rekordsteuereinnahmen und einer Staatsverschuldung zum Nulltarif gäbe es durchaus Spielraum. Die in den Wahlprogrammen in Aussicht gestellten Senkungen sind vor diesem Hintergrund…