Erschienen in Ausgabe 2-2018Unternehmen & Management

Vergoldete Seidenstraße

Dank Auslandsinvestitionen und hohen Renditen auf dem Heimatmarkt stecken Chinas Versicherer immer mehr Geld in staatliche Großprojekte

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Nach einem einjährigen Test steht die einheitliche Plattform für Beteiligungsgeschäfte in der Sachversicherung produktiv zur Verfügung. Sachversicherer können dabei Kalkulationen mittels Beteiligungsszenarien durchführen und Verträge abschließen. Die Plattform verfügt auch über konkrete Funktionen für die Schadensbearbeitung. Alle Beteiligten können online verfolgen, wie im Schadensfall die Leistungsregulierung durch das führende Unternehmen bearbeitet wird und ob die Leistungsanteile rechtzeitig beigesteuert werden. Bislang musste der führende Versicherer per Email bei den Sachversicherern um ein vorhandenes Interesse erkunden und dann ggf. bilateral Verträge abzuschließen. Die inzwischen veraltete Form konnte insbesondere mit der rasanten Geschwindigkeit der Infrastrukturprojekte in China nicht mehr Schritt halten. In der Testphase haben Versicherer bereits etliche große Bauprojekte wie U-Bahnlinien in der aufstrebenden ostchinesischen Stadt Ningbo und das Fotovoltaik-Projekt des staatlichen Stromproduzenten China State Grid erfolgreich und zudem in einer beispiellos kurzen Zeit versichert. Auch im Ausland scheint der Investitionshunger nach wie vor groß zu sein. Nach einer Befragung des Vermögensverwalters Aberdeen wollen 75 Prozent der chinesischen Versicherer in den kommenden drei oder fünf Jahren ihr Kapital außerhalb Chinas anlegen. In Anbetracht der Tatsache, dass die bisher im Ausland investierte Summe der chinesischen Versicherer nur 2,3 Prozent ihres gesamten Vermögens ausmacht, erscheint die Absicht ziemlich plausibel. 
Da Chinas Player inzwischen erkannt haben, dass ihre Investitionen in der westlichen High-Tech-Branche mit Skepsis betrachtet werden, verlagern sie ihren Investitionsschwerpunkt eher auf dem von der Regierung eingeleiteten Projekt Neue Seidenstraße. Dieses scheint auch mit wenig Risiko behaftet zu sein, weil man als Investor vom Staat nicht so einfach im Stich gelassen wird, wenn das Vorhaben schief gehen würde. Taikang Life ist mit umgerechnet 37 Mrd. Euro bereits beteiligt. Auch ohne riskante Bauprojekte kann die Assekuranz prächtig mit klassischen Kapitalanlagen verdienen. In den ersten drei Quartalen waren es 74,5 Mrd. Euro, so ein Bericht der Versicherungsaufsicht CIRC. Damit wurde im Durchschnitt eine Rendite von 4,05 Prozent erzielt – 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Anlagestruktur hat sich im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren nicht wesentlich verändert. Die Versicherungsunternehmen legten 49 Prozent ihres…