Erschienen in Ausgabe 2-2018Politik & Regulierung

Assekurata Krankenversicherung

Politische Einschnitte könnten die schwierige Lage im Neugeschäft der Vollversicherung weiter zuspitzen

Von Gerhard ReichlVersicherungswirtschaft

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Nach dem Ausgang der Bundestagswahl im Herbst 2017 und der Absage der Sozialdemokraten an eine erneute Regierungsbeteiligung durfte sich die private Krankenversicherung (PKV) nur kurzzeitig in Sicherheit wiegen. Mittlerweile zeichnet sich wieder eine Große Koalition ab. Die Bürgerversicherung indes scheint vom Tisch zu sein. In den vergangenen Legislaturperioden hatte sich noch keine Regierungskonstellation zu einem Wechsel des Gesundheitssystems durchringen können. Und auch dieses Mal ist davon auszugehen, dass die Branche von dem aus ihrer Sicht betrachteten Worst-Case einer Einheitskasse verschont bleibt. Allerdings könnte es zu gewissen Einschnitten kommen, die das Neugeschäft mit Blick auf die Vollversicherung weiter erschweren würden.

Heftige Diskussion um Alterungsrückstellungen

Beihilfeempfänger stellen branchenweit derzeit die größte Berufsgruppe im Neugeschäft dar. Sollte im Falle einer großen Koalition, wie in Hamburg bereits geschehen, bundesweit ein beihilfefähiger Tarif in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eingeführt werden, könnte dies zwar negative Auswirkungen auf das Wachstum der Branche als Ganzes nach sich ziehen, de facto wären hiervon aber nur einige wenige „Beamtenversicherer“ betroffen, die das Neugeschäft quasi unter sich aufteilen. Anders sieht es hingegen bei den Selbstständigen aus. Diese müssen derzeit in der GKV in der Regel einen Mindestbeitrag von rund 350 Euro zahlen, da bei der Beitragsberechnung ein Mindesteinkommen von 2.231 Euro unterstellt wird. Deshalb entscheiden sich viele für den Eintritt in die PKV. Sollte sich die Beitragsberechnung für Selbstständige in der GKV ändern und sich somit die Beitragsbelastung reduzieren oder gar eine Versicherungspflicht für Selbstständige eingeführt werden, hätte dies für die allermeisten PKV-Unternehmen ein rückläufiges Neugeschäft zur Folge. Wenn es um das Thema Bürgerversicherung und die Rückkehr von Privatversicherten in die GKV oder aber um mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen PKV-Unternehmen geht, entspinnt sich regelmäßig eine heftige Diskussion um das Thema Alterungsrückstellungen. Eine Portabilität dieser Rückstellung würde jedoch nicht das Problem des aus Sicht vieler Kritiker mangelnden Wettbewerbs um Bestandsversicherte lösen. Vielmehr könnte sie im Gegenteil existenzielle Probleme für die Unternehmen und damit für die Privatversicherten schaffen, da die heute gültige Vererbung von Alterungsrückstellungen bei Verlassen des Kollektivs ein sicherheitsförderndes…