Stets bemüht um Staatsdiener: Bisher gab es für Beamte kaum einen Anreiz, sich gesetzlich zu versichern. Mit der Wahlfreiheit in Hamburg werden sie ins Grübeln kommen.
Stets bemüht um Staatsdiener: Bisher gab es für Beamte kaum einen Anreiz, sich gesetzlich zu versichern. Mit der Wahlfreiheit in Hamburg werden sie ins Grübeln kommen.Quelle: MG RTL D / Frank Dicks
Erschienen in Ausgabe 2-2018Politik & Regulierung

Lehrstunde für  Querdenker

Fast die Hälfte aller PKV-Versicherten sind Beamte. Vor allem junge Lehrer will Hamburg nun in die gesetzliche Krankenkasse locken. Private Anbieter fürchten um ihre wichtigste Klientel und spielen die Kostenkarte.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Das Datum ist kein Zufall. Ab dem 1. August 2018 können Hamburger Beamte selbst entscheiden, ob sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern wollen. Zu diesem Zeitpunkt werden insbesondere im Schuldienst neue Lehrer als Beamte eingestellt. Bisher sind sie – wie im restlichen Bundesgebiet auch – praktisch gezwungen zusätzlich zu ihrer individuellen Beihilfe privat vorzusorgen, weil sie eine freiwillige gesetzliche Krankenversicherung komplett allein tragen müssen. Neu am sogenannten Hamburger Modell ist, dass die Beamten dann den halben Beitrag einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von der Stadt bekommen – wie Angestellte von ihrem Arbeitgeber. Sie haben also erstmals eine echte Wahlfreiheit, wie der Hamburger Senat betont. Allerdings gilt die Regelung im Wesentlichen für Beamte, die bereits gesetzlich versichert sind, und für Neueinsteiger. Für langjährige Beamte ist der Wechsel aufgrund der derzeitigen Rechtslage nicht möglich. 
Die Meinungen über diesen Schritt der Stadt Hamburg, der das Modell der Bürgerversicherung in Teilen umsetzt, gehen naturgemäß weit auseinander. Der Chef von Deutschlands mitgliederstärkster Krankenkasse Techniker, Jens Baas, erklärte, dass man die PKV tatsächlich für die Krankenversicherung von Beamten nicht brauche und er sich wünschen würde, dass der Hamburger Vorstoß zu einer bundesweiten Debatte darüber führt, ob man mittel- und langfristig zwei getrennte Systeme brauche oder ob nicht ein einheitlicher Versicherungsmarkt mit gleichen Spielregeln für alle das robustere und auch gerechtere Modell wäre. 

Nur auf Bundesebene ist die Idee willkommen

Ganz anders stehen die privaten Anbieter der Sache gegenüber. Walter Botermann, Vorstandschef der Hallesche Krankenversicherung, vertritt die Meinung, dass die in den nächsten zehn Jahren zu erwartenden Mehrkosten in Höhe von fast 93 Mio. Euro viel sinnvoller etwa zum Schließen von Finanzierungslücken bei der Kita-Betreuung verwendet werden sollten. „Das Hamburger Modell ist die heimliche Einführung der Bürgerversicherung durch die Hintertür“, befürchtet er, „mit allen Nachteilen der Budgetierung, Leistungslimitierung und mit einer schlechteren ärztlichen Versorgung.“ Er vermutet, dass sich viele Beamte für die PKV entscheiden werden, weil sie Wert auf gute Leistungen legen. Sein Unternehmen halte auch für die Beamten Angebote bereit, die statt eines Beihilfe-Tarifs einen vom Hamburger Senat ebenso bezuschussten Vollkostentarif wählen. Vor allem junge Hamburger Beamte warnt…