Risikodreh am Burj Khalifa: Hollywood-Star Tom Cruise ist bekannt dafür, auch bei gefährlichen Stunts nicht auf Schauspieler-Doubles zurückzugreifen. 
Risikodreh am Burj Khalifa: Hollywood-Star Tom Cruise ist bekannt dafür, auch bei gefährlichen Stunts nicht auf Schauspieler-Doubles zurückzugreifen. Quelle: picture alliance/Everett Collection
Erschienen in Ausgabe 2-2018Märkte & Vertrieb

Last Action Heroes

Wie sich die Filmindustrie gegen Millionenschäden absichert

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Ohne sie fällt keine Klappe, ohne sie bleibt die Leinwand schwarz, ohne sie ruft niemand „Alles auf Anfang“ oder „Action“. Noch bevor der erste Drehtag geplant und Kamera sowie Schauspieler auf Position gebracht wurden, haben im Vorfeld Versicherer die Regie übernommen -– genauer gesagt Filmversicherer wie Hiscox, Catlin oder die Allianz. Ohne eine Filmversicherung rührt niemand in der Branche einen Finger. Zu komplex wäre eine Medienproduktion, zu komplex die damit einhergehenden Risiken. Auch wenn am Set nichts dem Zufall überlassen wird, „Murphy“ ist fast immer mit von der Partie.

Versicherer meiden Jackie Chan

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“, für kaum eine Branche gilt der legendäre Satz des amerikanischen Ingenieurs Edward A. Murphy so sehr, wie für die Film- und Eventbranche: Einmal zerstört ein Hurrikan die komplette Filmkulisse des Hollywood-Blockbusters Troja, ein anderes Mal verletzt sich Hauptdarsteller Tom Cruise bei einem Stunt am Fuß und muss ins Krankenhaus oder Rapper Kayne West sagt gleich eine ganze Welt-Tournee ab. All dies waren spektakuläre Fälle, die es in die Nachrichten geschafft haben und wo im Hintergrund die Filmversicherer für die Schäden geradestanden oder sich öffentlichkeitswirksam stritten. Es geht noch schlimmer: Als der Film „The Fast and the Furious“ gedreht wurde, kam dessen Hauptdarsteller Paul Walker 2013 bei einem privaten Autounfall ums Leben, zwei Jahre zuvor verstarb die Schauspielerin Maria Kwiatkowsky während der Dreharbeiten zum Film "Die Erfindung der Liebe" mit nur 26 Jahren an einer Überdosis Kokain. Nach jahrelangem Rechtsstreit, der sich durch alle Instanzen bis vor den Bundesgerichtshof zog, einigten sich die Gothaer Versicherung mit der Produktionsfirma Coin Film auf einen Vergleich. „Eine arglistige Täuschung“ hatte der Versicherer zwar diagnostiziert, denn Kwiatkowsky hatte im entsprechenden Fragebogen zum Abschluss der Police angegeben, keine Drogen zu nehmen. Dabei war sie schon seit Jahren abhängig. Auf einen Unfall plädierte hingegen die Verteidigung, denn auch eine Drogeninjektion sei ein von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, wie es im Vertragsdeutsch heißt. Das sah auch das Gericht so und wertete den Drogentod durch Überdosis als Unfall. Allerdings blieb von der Millionenforderung des Studios am Ende ein Zahlung von 550.000 Euro übrig. Immerhin musste das Drehbuch umgeschrieben, Szenen neu besetzt und abgedreht werden. Erst nach drei Jahren konnte der Fall zu den Akten…