Erschienen in Ausgabe 2-2018Politik & Regulierung

Lange Nächte vor dem Rechenschieber

Nach 20 Jahren Entwicklungszeit schafft der Rechnungslegungsstandard IFRS 17 erstmals eine international einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen. Teil 1 der Änderungen, die auf deutsche Versicherer zukommen.

Von Dr. Torsten UtechtVersicherungswirtschaft

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Die Diskussion um die Weiterentwicklung der Regulierung von Versicherungsunternehmen wurde in der letzten Zeit maßgeblich von der Implementierung des neuen Aufsichtsregimes Solvency II bestimmt. Aber auch die originäre Rechnungslegung von Versicherungsunternehmen erfährt zurzeit wesentliche Veränderungen, die die Erstellung und den Aussagegehalt der Abschlüsse sowie der externen Berichterstattung wesentlich verändern können. Dies betrifft sowohl die nationale Rechnungslegung nach HGB, vor allem jedoch die internationale Rechnungslegung nach IFRS. Die Neuerungen haben dabei eine Qualität, die nicht nur für die Finanzexperten in den Unternehmen von Bedeutung und Interesse ist. Im Folgenden erfolgt ein Überblick über die wesentlichsten neuen Entwicklungen in der Rechnungslegung von Versicherungsunternehmen sowie eine kurze Bewertung der Implikationen für die betroffenen Gesellschaften.

Blaupause für Versicherer, die nach HGB-Vorschriften bewerten?

Am 18. Mai 2017 hat das International Accounting Standards Board (IASB) den lang erwarteten neuen internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 17 für die zukünftige Bilanzierung von Versicherungsverträgen veröffentlicht. Es ersetzt den bisherigen IFRS 4, der in 2005 als Interim Standard für die Rechnungslegung von Versicherungsverträgen implementiert wurde. Der bisherige IFRS 4 war bewusst als Zwischenlösung bis zur Verabschiedung eines neuen, einheitlichen Standards für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen konzipiert worden. In der Praxis hat dies dazu geführt, dass in der aktuellen IFRS-Bilanzierung der Versicherungsunternehmen bei einigen Gesellschaften US-GAAP-Regelungen verwendet werden, während andere Unternehmen weiterhin nationale Rechnungslegungsvorschriften (local GAAP) anwenden. Zielsetzung des neuen Standards für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen ist zum einen die Sicherstellung der internationalen Vergleichbarkeit, indem erstmals ein einheitlicher und für alle Unternehmen verbindlicher Standard vorgegeben wird. Zudem wird das Ziel verfolgt, mit dem neuen Bilanzierungsstandard die eigentlichen Performancetreiber von Versicherungsunternehmen besser kenntlich zu machen, um auf diese Weise den Analysten und Investoren (dem Kapitalmarkt) aussagekräftigere Informationen zu vermitteln. In Deutschland bzw. der EU ist der neue IFRS 17 für den konsolidierten Abschluss kapitalmarktorientierter Versicherungsunternehmen von Relevanz, die ihren Konzernabschluss nach IFRS zu erstellen haben. Nach…