Erschienen in Ausgabe 2-2018Trends & Innovationen

„Cyber fehlt es noch an Selbstverständlichkeit"

Kommentar von Erichsen-Chefin Sabine Pawig-Sander

Von Sabine Pawig-SanderVersicherungswirtschaft

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Cyber-Risiken sind in aller Munde. Wirtschaftsberater, IT-Dienstleister, Parteien und Politiker warnen gleichermaßen vor einer allzu großen Sorglosigkeit im Umgang mit den unbekannten Gegnern aus dem Netz. Makler, Vermittler und auch Kunden haben verstanden, dass die Digitalisierung neue Gefahren mit sich bringt. Alle haben die Risiken fest im Blick. Entsprechender Versicherungsschutz wird aktiv nachgefragt. IT-Leiter sind angenehm überrascht, dass ihr IT-Restrisiko versicherbar ist – und dies auch noch zu günstigeren Prämien als erwartet. Das spiegelt auch ein Blick auf  Prämienvolumen und  Abschlüsse von Cyber-Policen im vergangenen Jahr wider. Die Branche blickt zufrieden auf eine deutlich gestiegene Abschlussquote. Weit vielversprechender als die Rückschau ist der Blick nach vorn. Sämtliche Prognosen zeigen: wir stehen noch ganz am Anfang. Die eigentliche Anfragewelle formiert sich erst. 

Zu wenig Personal

In Anbetracht des sich durch sämtliche Branchen und Umsatzlagen ziehenden Risikos ist der Cyber-Versicherungsschutz ein „Must Have“. Dies spräche für eine Marktdurchdringung ähnlich der Betriebs- und Produkthaftpflicht- Versicherung. Doch hiervon ist die Cyber-Versicherung noch deutlich entfernt: über alle Branchen und Umsatzlagen dürfte der Anteil an Unternehmen, die bereits eine Cyber-Versicherung platziert haben, bei unter 20% liegen. Der Sparte fehlt es noch an Selbstverständlichkeit.  Das wird sich in den nächsten Monaten ändern. Und eine noch größere Anfragewelle mit sich bringen. Versicherer und Vermittler sind gut beraten, sich angemessen und vorausschauend aufzustellen, „Personal“ und „Prozesse“ sind die Themen, die Cyber-Versicherer nun primär abarbeiten sollten. Die Praxis zeigt, dass viele Versicherer schon heute deutlich zu wenig Personal für die Vielzahl der Anfragen vorhalten. Nicht selten sind weniger als eine Handvoll Underwriter für die bundesweit flächendeckende Bearbeitung der Sparte Cyber zuständig. Dabei sind die Voraussetzungen gut. Das neue Risikofeld ist facettenreich, die Entwicklung dynamisch. Das zieht vor allem junge Leute in die Sparte. Genau die können durch die Versicherer nun als Cyber-Underwriter aufgebaut und qualifiziert werden. Daneben sind die Prozesse der Gesellschaften erfolgsrelevant. Sie müssen deutlich vereinfacht und standardisiert werden. So sind beispielsweise die technischen Aspekte des Underwriting von Versicherer zu Versicherer nach wie vor noch sehr verschieden und teils deutlich zu kleinteilig…