Erschienen in Ausgabe 2-2018Trends & Innovationen

Panikmache zur besten Sendezeit

TV-Runde nimmt das Produkt Lebensversicherung auseinander

Von David Gorr

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Alle Welt redet über die Große Koalition. Doch nach dem entscheidenen SPD-Parteitag überraschte Frank Plasberg die Zuschauer mit einem Thema zum deutschen liebsten Kind: Nicht dem Auto, sondern der Lebensversicherung. 89,3 Millionen solcher Policen sind im Markt – im Schnitt also im Schrank von jedem Bundesbürger. Doch die Begeisterung für das Produkt lässt nach, wenn immer mehr Kunden über magere Renditen, üppige Provisionen bei Vertragsabschluss und hohe Kosten der laufenden Verwaltung klagen. Gleichzeitig schicken Versicherer ihre Altbestände in den Run-off und stellen das Neugeschäft mit Klassik komplett ein. Diese Entwicklung hat Sven Enger, einst selbst lange Zeit in der Branche tätig, in seinem Buch "Alt, arm und abgezockt“ niedergeschrieben und warnt von einem „Crash“ in der Lebensversicherung. Im Interview mit der Versicherungswirtschaft betont er: „Wir laufen in eine Katastrophe hinein: die Altersarmut. Darauf wollte ich hinweisen und eine grundsätzliche Diskussion anstoßen.“ Diese bekam er bei Hart aber fair. „Herr Enger möchte ein Buch verkaufen“, sagte GDV-Geschäftsführer Peter Schwark zur besten Sendezeit. „Werbung zu machen ist legitim, nicht aber das bewusste Schüren vollkommen unbegründeter Ängste.“ Schwark vermisste klare Argumente, die die Thesen von Herrn Enger belegen. Doch in der TV-Runde fand Schwark wenig Unterstützung und kaum Beifall. ARD-Börsenexpertin Anja Kohl betonte, dass es „sich heute in der Regel nicht mehr lohnt, Lebensversicherungen abzuschließen.“ Ulrich Schneider, Chef des Sozialverbands „Die Paritätische“, plädierte für die komplette Abschaffung der privaten Altersvorsorge. Die vermittelnde Instanz gab CDU-Finanzexperte Ralph Brinkhaus: „Es ist nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht. Ich würde niemandem empfehlen zu kündigen oder nicht zu kündigen.“ Was denn nun? Wirklich schlauer sind die Zuschauer dadurch nicht geworden.