Erschienen in Ausgabe 2-2018Unternehmen & Management

Appetit auf Aktien

In einem schwierigen Marktumfeld sind institutionelle Anleger auf der Suche nach erfolgsversprechenden Aktienstrategien. Die Optimierung der Solvency Capital Requirements könnte Abhilfe schaffen.

Von Karl HappeVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Wie anlegen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld? Diese Frage treibt europäische institutionelle Anleger nun bereits seit einigen Jahren um, ohne Aussicht auf Besserung. Nicht zuletzt angesichts des aufgehellten Wirtschaftsausblicks für Kontinentaleuropa suchen viele nach Wegen, den Aktienanteil in den Portfolios zu erhöhen. Solvency II und die Einführung des internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 9 für Versicherungsunternehmen im Jahr 2021 stehen dabei aber größeren Umschichtungen im Wege. Gleichwohl gibt es Opportunitäten außerhalb der Anleihen-Sphäre, die Solvenzkapital-Anforderungen (SCR, solvency capital requirement) genügen und hohe laufende Erträge bieten. Die Losung lautet SCR-Optimierung.

Passive Hedging-Strategie auf Dauer sehr teuer

Sowohl aus buchhalterischer als auch aus ökonomischer Sicht steht außer Frage, dass Investoren Rentenanlagen so weit wie möglich meiden sollten. Europäische Aktien bieten eine Dividendenrendite von fast 3,5 Prozent, während kürzerlaufende Staatsanleihen des Euroland-Kerns negative Renditen aufweisen. Vielen Institutionellen sind jedoch enge Grenzen gesetzt, wieviel Risiko sie ins Portfolio nehmen können. Jahrelange Niedrigzinsen haben an ihren Risikobudgets und Kapitalreserven genagt. Strenge Solvabilitätsregeln für die Risikokapitalisierung sowie die potenzielle Volatilität risikobehafteter Anlagen (wie Aktien), die eine Gefahr für Risikokapitallimits darstellt, schränken Investments in diesen Assetklassen ein. Hinzu kommt die Einführung von IFRS 9 in drei Jahren für international bilanzierende Versicherungen. Dieser Rechnungslegungsstandard engt die Möglichkeit stark ein, Bewertungsreserven zu realisieren. Je nach Bilanzierungsansatz schlagen in der einen Variante Aktienkursgewinne oder -verluste direkt auf die GuV durch, das heißt, es können keine stillen Reserven gebildet werden. In der anderen Variante kann zwar die Volatilität von Aktienanlagen in der GuV vermieden werden. Allerdings werden die Gewinne bei der Realisierung dann auch ergebnisneutral direkt gegen Eigenkapital-Posten verbucht. Ein wesentlicher Vorzug von Anlagen, deren Kurse im Zeitablauf steigen, geht damit verloren: die Möglichkeit, stille Reserven gezielt einzusetzen und zu managen. Dennoch wäre es nun falsch, die Flinte ins Korn zu werfen. Bei einem absehbaren realen Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent in diesem und im nächsten Jahr und angesichts einer nur allmählich steigenden Teuerungsrate, dürfte die nominale Anleiherendite in den…