Erschienen in Ausgabe 2-2018Trends & Innovationen

„Finanziell steht sehr viel auf dem Spiel"

AGCS-Manager Michael Furtschegger über Risikoszenarien für die Olympischen Winterspiele 2018

Von Michael FurtscheggerVersicherungswirtschaft

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Wie bewerten Sie die Sicherheitslage für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang?

Die Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen hat zu einer Deeskalation des Konflikts zwischen Nord- und Südkorea beigetragen. Beobachter rechnen nicht mit neuerlichen Waffentests oder Provokationen. Gleichwohl bleibt die politische Situation angespannt. Das spiegelt sich auch in der versicherungstechnischen Risikobewertung für Ausfalldeckungen wider. Diese würde den Organisatoren in- und außerhalb des Gastgeberlands finanziellen Ausgleich zusichern, wenn die Spiele wegen Kriegsgefahr bzw. -androhung von offizieller Seite abgesagt würden. Andere Ausfallsrisiken wie Terror oder die Gefahr einer Seuche fallen weniger ins Gewicht. Dagegen könnten Cyberangriffe bei den Spielen in Südkorea durchaus ein größeres Thema werden.

Wie steht es um die wirtschaftlichen Folgen einer Absage?

Historisch ähnelt die gegenwärtige Situation in Südkorea jener der Sommerspiele 1984 in Los Angeles: In einer Hochphase im „Kalten Krieg“ wurden die Spiele trotz Boykotts einiger Staaten erfolgreich durchgeführt. Sollte es wider Erwarten – das ist jetzt rein spekulativ – zu einer akuten Bedrohung oder gar Kriegshandlung und damit zu einer Absage der Spiele kommen, wären die wirtschaftlichen Folgen weitreichend: Werbegelder und Übertragungsrechte, milliardenschwere Investitionen im Gastgeberland und von Sponsoren, die Vorbereitung und der finanzielle Einsatz der nationalen Sportdelegationen und nicht zuletzt all die privaten Reiseaufwendungen von Millionen aus aller Welt angereisten Zuschauer. Die Kosten der Olympischen Winterspiele in Sotschi, die als die bisher teuersten gelten, beliefen sich auf 50 Mrd. US-Dollar. Wenn solchen enormen Ausgaben keine Einnahmen gegenüberstehen, kann man sich die verheerende wirtschaftliche Bilanz vorstellen.

Hat sich das Risiko für Sportevents im Allgemeinen aus Ihrer Sicht erhöht?

Sportevents werden größer und technisch aufwändiger, damit stehen höhere Summen auf dem Spiel. Dagegen haben sich die Risiken für Ausfall, Absage oder Abbruch nicht wesentlich verändert, die wichtigsten sind Terror und Naturgefahren. Grundsätzlich hat sich jedoch die Sicherheit in Stadien und Arenen kontinuierlich verbessert. Das betrifft das Sicherheitsniveau direkt in den Sportstätten selbst, aber auch die Sicherheitskonzepte und Notfallpläne, die Veranstalter gemeinsam mit den zuständigen Behörden entwickeln. Wie auf jedem Live-Event bleibt natürlich immer ein gewisses Restrisiko. Höher als…