Erschienen in Ausgabe 12-2018Schlaglicht

Viel zu tun

Eine Prognose zu den volkswirtschaftlichen Entwicklungen im Jahr 2019

Von Dr. Michael HeiseVersicherungswirtschaft

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Die deutsche Wirtschaft sieht sich zum Ende des Jahres 2018 mit einem recht herausfordernden internationalen Umfeld konfrontiert. Rund um den Globus hat sich die bis dato sehr robuste Konjunkturdynamik spürbar abgeschwächt. Eine der wenigen Ausnahmen hierzu bilden die USA. Dank einer stark prozyklischen Fiskalpolitik, die vor allem auf umfangreiche Steuersenkungen, aber auch auf höhere öffentliche Ausgaben setzt, hat die amerikanische Wirtschaft im Verlaufe dieses Jahres deutlich an Fahrt aufgenommen. Rund ein halber Prozentpunkt des diesjährigen Wirtschaftswachstums von real knapp 3 Prozent ist allein dieser expansiven Fiskalpolitik zuzuschreiben.

Konjunkturelle Abschwächung in den Schwellenländern

In der Gruppe der Schwellenländer ist dagegen eine konjunkturelle Abschwächung eingetreten. Die aufstrebenden Volkswirtschaften haben durch höhere Zinsen in den USA einen starken Kapitalabzug erlebt. Zudem belastet die Unsicherheit über den von den USA angezettelten Handelsstreit diese Länder in besonderer Weise. Die Kapitalverlagerungen und die erhöhte Unsicherheit sind nicht allein an den Wertverlusten an Aktien- und Anleihemärkten in diesen Ländern abzulesen, sondern sie haben auch zu starken Währungsabwertungen geführt. Das Ausmaß der Anpassungen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Am stärksten hat es Argentinien und die Türkei getroffen, was angesichts ihrer makroökonomischen Ungleichgewichte in Form von hohen Leistungsbilanz- und Haushaltsdefiziten auch nicht überrascht. Für die Ländergruppe im Ganzen dürfte im kommenden Jahr allerdings eine Stabilisierung der Lage zu erwarten sein.

Ungeregelter Brexit birgt erhebliches Störpotenzial

Auch die deutsche Wirtschaft hat zuletzt einen spürbaren Dämpfer erhalten. Während bereits schon über weite Teile des Jahres 2018 verschiedene Konjunkturindikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex eine Abschwächung der Wachstumsdynamik anzeigten, legte das reale Bruttoinlandsprodukt – gestützt durch eine kräftige Binnennachfrage – in der ersten Jahreshälfte noch solide zu. Im dritten Quartal kam dann aber eine konjunkturelle Vollbremsung mit einem Rückgang der gesamten Produktion um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Verantwortlich hierfür war unter anderem die Automobilindustrie, die erhebliche Probleme mit der Zertifizierung von Fahrzeugen nach einem neuen Emissionstestverfahren hatte. Gegenüber dem zweiten Quartal brach die Produktion im Automobilsektor um über 7 Prozent ein und zog damit auch die gesamte…