Erschienen in Ausgabe 12-2018Unternehmen & Management

Nachholfbedarf bei Mathe

Westliche Player erobern Chinas Rückversicherungsmarkt

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Der chinesische Rückversicherungsmarkt hat derzeit im Vergleich mit entwickelten Ländern noch eine Menge nachzuholen. Unter den zehn Rückversicherern, einschließlich jener aus dem Ausland, beansprucht die China Re einen Marktanteil von beinahe 65% für sich. Die meisten chinesischen Rückversicherer wurden erst in den letzten Jahren neu gegründet. Manche machen seit der Gründung immer noch Verluste. Die Muttergesellschaften sind überwiegend Erstversicherer. Ihnen fehlen nicht nur ausreichende Rückversicherungsaktuare. Ein entscheidendes Hindernis ist ebenso fehlendes Know-how. Das vorhandene Wissen stammt lediglich aus den Erfahrungen als Erstversicherer mit dem Abschluss von Rückversicherungsverträgen. Trotzdem sind knowhow-reiche Rückversicherer aus dem westlichen Ausland nicht die Mainplayer im chinesischen Markt. Ausländische Rückversicherer erreichten in der ersten Hälfte des laufenden Jahres nur umgerechnet 2,45 Mrd. Euro, während die China Re allein 9,7 Mrd. Euro aufweisen konnte. Die Entwicklungsbedürftigkeit verstehen einige Rückversicherer aus dem Ausland als Entwicklungsfähigkeit. Sie halten den chinesischen Markt für aussichtsreich und wollen auf dem zweitgrößten Versicherungsmarkt der Welt Fuß fassen. Mitte Oktober hat die Korea Re durch langjährige Vorbereitungsarbeit eine Betriebslizenz von der chinesischen Finanzaufsicht bekommen. Berichten zufolge sollen derzeit knapp 30 Rückversicherer, darunter einige aus dem Westen, zur Lizenzbeantragung vor der Tür der Finanzaufsicht in Peking Schlange stehen.

Aktien zum Aufstocken des schlechten Gehalts

Ende Oktober hat der größte chinesische private Versicherer Ping An angekündigt, eigene Aktien aus dem Markt zurückzukaufen. Dem informierten Kreis zufolge soll die Ping An planen, umgerechnet ca. 14 Mrd. Euro hinzublättern, um knapp 10 % der Aktien wieder in den eigenen Besitz zu bringen. Interessanterweise verkündete die Ping An im gleichen Atemzug einen sogenannten „Plan for Long Service“, der darauf zielt, die Mitarbeiter zu beteiligen. Offenbar sollen die zurückgekauften Aktien den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Das derzeitig Marktumfeld passt sogar diesem Vorhaben: Die Ping An muss derzeit nicht so viel Geld dafür einsetzen wie in Zeiten eines hohen Aktienkurses. Für die beteiligten Mitarbeiter bedeuten die gekauften Aktien doch großes Wachstumspotential. Die Beteiligung eigener Mitarbeiter hat bei der Ping An Vorgeschichte. Vor Jahren hat die Ping An ca. tausend Managern und leitenden Angestellten preisgünstig Aktien zur Verfügung gestellt. Viele der Begünstigten sind inzwischen Multimillionäre. Diesmal sollen etwa mehr als 10.000 innovative und jüngere Angestellte ohne leitende Position in die Gunst kommen.
Denn Versicherungsangestellte verdienen im Vergleich mit den Kollegen in den anderen Finanzsektoren in China am schlechtesten. Das ist die Aussage, die aus einer Studie der dortigen Headhunter-Plattform Lieping hervorgeht. In der Versicherungsbranche liegt das Durchschnittsjahreseinkommen aktuell bei umgerechnet 28.000 Euro, während die Angestellten von Fonds- oder Wertpapierhandelsgesellschaften mit 57.800 Euro deutlich zu den Besserverdienern gehören. Die chinesischen Bankangestellten verdienen jährlich im Durchschnitt ca. 44.000 Euro. Die Vertriebsmitarbeiter sind in China in der Regel kein angestelltes Personal und wurden daher in der Studie nicht berücksichtigt. Die meisten Versicherungsangestellten unter 30 Jahren erzielen im Durchschnitt nur ein Jahreseinkommen unter 25.000 Euro.

Schwarze Liste gegen Sozialabgaben-Betrüger

Ende Oktober hat das chinesische Ministerium für Sozialabsicherung einen Entwurf für die Verordnung zur Bestrafung von Sozialabgaben-Verweigerern und -Betrügern zur Konsultation veröffentlicht. Demnach sollen Unternehmen, die die Abgaben für Kranken- und Rentenversicherung, zu Gunsten der Mitarbeiter nicht zahlen, in einer landesweiten Informationsplattform aufgelistet werden. In die Schwarze Liste sollen auch Arbeitgeber eingetragen werden, die mit Hilfe falscher Dokumente die Zahlung von Sozialleistungen umgehen. Die Dauer der Eintragung soll höchstens fünf Jahre betragen. Als Strafmaßnahmen sieht das Ministerium den Ausschluss an der Teilnahme an Ausschreibungen staatlicher Institutionen, die Ablehnung von Betriebslizenzen, den Ausschluss von IPO und sogar die Beschränkung der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Das Ministerium begründet die Einrichtung der Schwarzen Liste mit der „Gewährleistung der gesellschaftlichen Gerechtigkeit“. Potentielle Täter sollen abgeschreckt werden, Täter sollen den Preis für den Verstoß gegen gemeinschaftliche Regeln zahlen, so die Erläuterungen.