Quelle: Gothaer
Erschienen in Ausgabe 12-2018Trends & Innovationen

„Die Ansicht, dass Infrastruktur und Immobilien generell überteuert sind, teilen wir nicht“

Christof Kessler, Vorstand Gothaer Asset Management AG, über Anlagestrategien am Bärenmarkt

Von Christof KesslerVersicherungswirtschaft

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Ängste vor steigenden Zinsen, weiteren Zollkonflikten, vor dem Brexit und einem Crash Italiens drückten zuletzt mächtig auf die Kurse. Ist die Kurskorrektur gesund oder wird zum Ende des Aktienjahres der Beginn eines Bärenmarkts eingeläutet?

Wir haben an den Aktienmärkten einen fast 10-jährigen Bullenmarkt gesehen, der zu über dem historischen Durchschnitt liegenden Bewertungen geführt hat. Die letzten Monate haben allerdings gezeigt, dass der jahrelange Rückenwind aus expansiver Geldpolitik, robuster Weltwirtschaft und niedriger Inflation weniger wird und die Risiken – geopolitisch wie konjunkturell – deutlich gestiegen sind. Diese Entwicklungen wurden am Aktienmarkt entsprechend eingepreist, so dass man nicht von einem unbegründeten Kursrückgang sprechen kann. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sind wir ein langfristiger Investor und beschäftigen uns weniger mit der Frage, wie sich die Kapitalmärkte in den nächsten Wochen, sondern vielmehr in den nächsten Jahren entwickeln werden.

Auf der Jagd nach Rendite investieren Versicherer massiv in Infrastruktur und überteuerte Immobilien. Kommt es zu einer Finanzkrise, würden Versicherer jedoch die illiquiden Vermögenswerte nicht schnell verkaufen können. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Liquiditätskrise, wenn der Markt zusammenbricht? Was droht dann den Versicherern?

Die Ansicht, dass Infrastruktur und Immobilien generell überteuert sind, teilen wir nicht. Darüber hinaus ist es reine Spekulation, ob es in einer zukünftigen, hypothetischen Finanzkrise zu einem Austrocknen des Sekundärmarktes kommt. Genauso gut vorstellbar ist, dass es eine Flucht in Sachwerte geben wird, was die Liquidität der Assetklassen noch erhöhen würde. Wir beteiligen uns nicht an solchen Spekulationen. Unser erklärtes Ziel in den genannten Assetklassen ist es, eine risikoadjustierte Prämie zu verdienen, d.h. durch langfristiges Zurverfügungstellen von Kapital eine Extrarendite gegenüber Anleihen zu erwirtschaften.  Die Langfristigkeit der Anlagen haben wir in unseren Asset-Liability-Modellen berücksichtigt: unsere zukünftigen Liquiditätsanforderungen werden von unserem Gesamtportfolio jederzeit erreicht.

Die Aktienperformance entscheidet oft über den Verbleib des CEOs im Unternehmen. Mark Wilson musste den Chefsessel bei Aviva räumen, obwohl er vieles richtig machte. Ist das fair? Spiegelt der Aktienkurs wirklich den Zustand und Potenziale eines Versicherers wider?

Den Aktienkurs,  als alleinigen Indikator für den Zustand und…