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Erschienen in Ausgabe 12-2018Schlaglicht

Der große Sprung

Den deutschen Versicherern geht es gut. Das haben sie vor allem sich selbst zu verdanken. Mitten im Umbruch gelingt es der Branche immer besser, neuralgische Punkte offen zu benennen sowie beherzte Antworten in Strategie und Inhalt darauf zu finden. Das Verpasste allerdings ist noch nicht aufgeholt. In einer Zeit der Unsicherheit machen Versicherer vieles richtig, aber eben nicht alles.

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Wenn Armin Zitzmann in seinem Nürnberger CEO-Office durch das zentimeterdicke sicht- und schallgeschützte Glas in die weite Ferne blickt, hat es den Anschein als stehe die Zeit still. Gerade das Ende eines Geschäftsjahres ist für Top-Manager wie ihn ein wichtiger Moment, um innezuhalten, nachzudenken, nach vorne zuschauen. Die Symbolkraft dieses kurzen Moments ist für den Beobachter so eindrücklich, so intensiv, dass sie eigentlich keiner weiteren Worte vermag – ein Manager hinter gläsernen Fassaden, ganz oben angekommen, führt millionenschwere Geschäfte, trägt Verantwortung und rechnet eins zum anderen hoch. Die kolossale Kraft einer ganzen Unternehmung wird jetzt auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner, das Individuum, heruntergebrochen. Welche Ziele wurden erreicht? An welchen Projekten wird weiterhin getüftelt? Wo ist man gescheitert? So ehrlich zu sich selbst muss man auch als Versicherungsboss sein. Dann verflüchtigt sich der Moment ebenso schnell wie er gekommen ist, in Sekundenbruchteilen und es geht Back to the Job. Die Dynamik wächst, der Puls steigt, die Arbeitsuhr tickt im Takt des Neuen. „Der Aufbruch geht weiter. Nur wer positiv und entschlossen agiert, der wird die Herausforderungen meistern und auch das kommende Jahr erfolgreich abschließen“, sagt Zitzmann.

Run-off Ballast drückt die Stimmung

Im laufenden Jahr wird der Versicherungsbranche ein sehr solider Zustand attestiert. Die interne Stimmung 2018 war gut, 2019 wird sie gut, heißt es aus Expertenkreisen. „Wenn ich mir beispielsweise die Solvenzquoten der Versicherer anschaue, dann würde ich sagen, dass die Branche unter dem Strich ziemlich gut dasteht“, stellt Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht bei der Bafin, fest. Gleichwohl ist die Marktlage im Sachgeschäft gegenüber der Lebensversicherung naturgemäß anders ausgeprägt. Letztere kämpft akut mit dem Niedrigzinsumfeld und deren negativen Auswirkungen auf den Stellenwert der kapitalbildenden Lebensversicherung, gerade im Kontext der Altersvorsorge. Neue Versicherungsprodukte als Substitut sind entwickelt und in den Markt eingeführt worden. Allerdings befindet sich die Lebensparte vielfach im Krisenmodus. „Das Thema Verkauf von Run-Off-Lebensportefeuilles ist von vielen Versicherern öffentlich negativ gebrandmarkt worden, obwohl es den jeweiligen Unternehmen signifikante Vorteile bieten könnte“, erklärt Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe bei der Swiss Re.  „Dieser Ballast wird auch 2019 auf die…