Quelle: picture alliance / dpa
Erschienen in Ausgabe 12-2018Unternehmen & Management

Auf Bewährung

Die Zahlen sind gut, die Produktpalette digitalisiert. Dennoch wird Ergo sein schlechtes Image nicht los und Markus Rieß kann fähige Manager nicht im Unternehmen halten. Genügt das den Ansprüchen des Mutterkonzerns?

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Mitte 2017 zog Markus Rieß, Chief Executive Officer der Ergo Group AG, eine erste Zwischenbilanz seiner Megareform, die bis zum Jahre 2020 umgesetzt werden soll. Damit will das durch Skandale angeschlagene Unternehmen wieder an die Spitze der Branche klettern. Dafür gibt es massive Stellenkürzungen im Außen- und Innendienst, eine Ausgliederung des klassischen Lebensversicherungsbestandes sowie eine totale Neugestaltung der Bestand- und Leistungs-IT-Systeme. Zudem will sich das Unternehmen ganz stark auf digitale Strukturen und deutlich mehr Geschäft im Ausland fokussieren. „Wir sind gut unterwegs. Alle Meilensteine wurden erreicht“, verkündete der Ergo-Chef bei seinem einjährigen Rückblick auf den laufenden Reformplan 2017. Das soll nun auch Ende 2018 noch Gültigkeit haben, obwohl der Boss selbst für eine persönliche Auskunft nicht zur Verfügung stand. Die Anfrage der Versicherungswirtschaft wurde, „weil wir Herrn Dr. Rieß nicht greifen können“, von einem Pressesprecher beantwortet. Allein für eine wichtige Personalmeldung war der Chef dann doch abkömmlich. Ende Oktober dankte er, der restliche Vorstand und der Aufsichtsrat per Pressemitteilung der Vorständin Monika Sebold-Bender, die für das Sach- und Unfallgeschäft verantwortlich ist. Sie scheidet in „gegenseitigem Einvernehmen“ Anfang 2019 aus dem Unternehmen aus. Markus Rieß wird mit den Worten zitiert: „Ich bedauere das Ausscheiden.“ Die Managerin habe in den ersten beiden Jahren der Umsetzung des Strategieprogramms mit ihrer Erfahrung im Sachversicherungsgeschäft einen sehr wertvollen Beitrag für die Neuausrichtung der Ergo geleistet. Scheinbar soll es keinen Ersatz geben. Frei nach dem Motto, zu viele Köche verderben den Brei, wird nun Clemens Muth, bislang für das Ressort Leben und Gesundheit verantwortlich, in seiner neuen Funktion als Chief Underwriting Officer zusätzlich die Verantwortung für das Ressort Sachversicherung übernehmen. Fazit der kurzen und knappen Personalmeldung: „Mit der Verkleinerung des Vorstands und der Ressortbündelung bei Herrn Muth geht die Ergo gestärkt in die zweite Halbzeit ihres Strategieprogramms.“ Scheinbar war Frau Sebold-Bender dann doch irgendwie hinderlich. Diesen Eindruck hat auch das Magazin Cash gewonnen. Es schreibt: „Die Ergo bekommt keine Ruhe in den Konzern.“ Denn die Vorständin wäre gerade einmal zwei Jahre an Bord gewesen.

Mehr Stellenkürzungen als angekündigt

Immerhin: Gewinntechnisch liegt der Konzern gut auf Kurs. So soll der Jahresüberschuss…