Erschienen in Ausgabe 12-2018Unternehmen & Management

Abkühlung in Sicht

Schwache Wirtschaftsprognose trübt Ausblick der Versicherer auf 2019

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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In der spanischen Wirtschaft werden 2019 deutlich kleinere Brötchen gebacken. Nach den jahrelang hohen Wachstumsraten von rund drei Prozent prognostizieren Experten unisono eine kräftige Konjunkturabkühlung im kommenden Jahr. Das zeigt die aktuelle Konsensschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Funcas. Sie basiert auf den 18 wichtigsten Analysten-Einschätzungen für die spanische Wirtschaft. Die Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik ist bereits in diesem Jahr spürbar. Die Prognosen wurden sukzessive nach unten revidiert und aktuell geht die Konsensschätzung von einer Wachstumsrate für das Gesamtjahr in Höhe von 2,6 Prozent aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr standen noch drei Prozent zu Buche. Der scharfe Rückgang der Wirtschaftsleistung soll sich 2019 beschleunigen. Dann sehen die Experten eine erneute Abkühlung auf ein Wirtschaftswachstum von nur noch 2,2 Prozent. Der Internationale Währungsfonds bestätigt die Prognose von Funcas. In seiner diesjährigen Herbsttagung geht er für 2019 ebenfalls von einem markanten Rückgang von einem halben Prozentpunkt auf 2,2 Prozent aus. Im Club der weltweit größten Volkswirtschaften wird Spanien das Land mit dem größten Rückgang der Wirtschaftsdynamik sein. Es übertrifft damit sogar den für 2019 prognostizierten Abschwung des Wirtschaftswachstums in den USA aufgrund der dort nachlassenden Effekte des prozyklischen Fiskalprogramms. Ungeachtet der Abkühlung wird Spanien allerdings weiterhin das nach den USA weltweit zweitgrößte Wirtschaftswachstum unter den größten Industrienationen aufweisen können. 
Als zentrale Ursache für den Abschwung in Spanien sieht Funcas die weniger günstigen externen Rahmenbedingungen. Zum einen werden mit Italien und Großbritannien zwei der wichtigsten Exportmärkte kaum wachsen. Darüber hinaus belasten die Turbulenzen in den Schwellenländern. An erster Stelle steht hier für die in Lateinamerika stark engagierte spanische Wirtschaft die Entwicklung in Argentinien, gefolgt von der Türkei. Aber auch intern wird sich der private Konsum als Säule des Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre spürbar abschwächen. Die Sparquote hat Funcas zufolge ein Minimum erreicht, womit der Spielraum für eine Erhöhung der Konsumausgaben gering ist. Trotz der im Vorjahresvergleich markanten Abkühlung bleibt die Wirtschaftsdynamik in Spanien jedoch robust genug, um für eine weitere Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen. Die Konsensschätzung geht für 2019 von einem Rückgang der Arbeitslosenquote um gut eineinhalb Punkte auf 13,7 Prozent aus. Noch vor wenigen Jahren, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise Spaniens, waren 26 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung ohne Arbeit.

Kapitalleben mit Wachstumsdelle

Die Assekuranz wird 2019 daher mit ungünstigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert, die sich zunehmend auf das Prämienwachstum auswirken dürften. Nach den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres steht für den Gesamtmarkt ein Prämienwachstum von 1,7 Prozent auf 48,2 Milliarden Euro zu Buche. Dabei legte die konjunktursensitivere Nichtlebensversicherung um vier Prozent zu. Die Lebensversicherung musste dagegen einen Prämienrückgang um ein Prozent hinnehmen. Angesichts der Konjunkturprognosen dürfte sich 2019 die Wachstumsdynamik in der Nichtlebensversicherung parallel zur wirtschaftlichen Abkühlung reduzieren. Allerdings wird das Segment aufgrund der noch immer robusten Wirtschaftsindikatoren die Wachstumslokomotive der Assekuranz bleiben. In der Lebensversicherung weisen alle Faktoren darauf hin, dass sich die markante Wachstumsschwäche in 2019 fortsetzen wird. Der von Funcas hervorgehobene Tiefststand bei der Sparquote gibt wenig Spielraum für Wachstumsimpulse in der kapitalgebundenen Lebensversicherung. Angesichts des hohen Anteils des Einmalprämiengeschäfts von über drei Vierteln und der großen Marktmacht von Bancassurance sind allerdings in diesen Teilsegment Überraschungen aufgrund von Portfolio-Umschichtungen der Banken immer möglich. Aktuell gibt es hierfür jedoch keine Hinweise und in den ersten neun Monaten 2018 hat sich das Prämienvolumen der kapitalgebundenen Lebensversicherung erneut um 3,3 Prozent verringert. 
Innerhalb der Lebensversicherung profitiert nur die Risikolebensversicherung vom guten wirtschaftlichen Umfeld. Das Beitragsaufkommen hat sich mit Stand Ende September 2018 rasant um zwölf Prozent erhöht. Der vor wenigen Jahren kollabierte Immobilienmarkt hat zuletzt wieder stark angezogen. Die damit verbundene höhere Nachfrage nach Hypothekendarlehen verleiht dem Annexprodukt Risikolebensversicherung starken Rückenwind. Abseits des Daseins als Annexprodukt hat die Risikolebensversicherung jedoch aufgrund der traditionell gering ausgeprägten Vorsorgementalität der spanischen Bevölkerung nur eine untergeordnete Rolle. Wegen der zu erwartenden Fortsetzung des Umfelds tendenziell steigender Zinsen ist 2019 allerdings mit negativen Auswirkungen auf den Immobiliensektor zu rechnen. Der positive Effekt des Häusermarktes auf die Risikolebensversicherung dürfte sich deshalb gekoppelt an die Zinsentwicklung im kommenden Geschäftsjahr abschwächen.