Quelle: Cosmos Direkt
Erschienen in Ausgabe 11-2018Schlaglicht

„Wir versuchen unsere Prozesse durch den Einsatz von Robotertechnik zu beschleunigen“

David Stachon, Vorstandsvorsitzender Cosmos Direkt sowie Chief Business Officer Digital und Unabhängige Vertriebe Generali Deutschland, über strategische Perspektiven in Zeiten des Umbruchs.

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Herr Stachon, seit zwei Jahren sind Sie nun Chief Executive Officer der Cosmos Direkt. Könnten Sie eine Bilanz über Ihr bisher Erreichtes ziehen?

Wir sind mit dem Umbau der Cosmos Direkt in den letzten beiden Jahren sehr zufrieden. Wir haben trotz der teils deutlichen Veränderungen netto rund 130.000 neue Kunden gewinnen können, was vor allem ca. 81 Mio. Euro mehr Kompositprämien gegenüber Ende 2015 ausmacht. Im Bereich Leben laufen wir auf einem stabilen Beitragsniveau – allerdings mit deutlich verbesserter Struktur; das heißt, weniger Garantiegeschäft vor allem bei Einmalbeiträgen. Alles in allem konnten wir unser IFRS-Ergebnis um rund 43 Prozent steigern. Also, der Start war gut, wir haben aber noch viel zu tun.

Beim Mutterkonzern Generali bleibt kein Stein auf dem anderen. Wie umfassend ist die CosmosDirekt vom Umbau betroffen und welche Stimmung herrscht bei den Mitarbeitern?

Da der Umbau der Generali in Deutschland vor allem auch die Governance des Konzerns betrifft, ist Cosmos Direkt genauso ein Teil dieser Transformation, wie alle anderen Konzernunternehmen auch. Ich mag den Begriff „betroffen“ jedoch nicht, da wir die notwendigen Veränderungen sehr aktiv mitgestalten. Das ist der Geist, mit dem wir das Thema Veränderung in Saarbrücken angegangen sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Cosmos Direkt haben schon immer gerne die Zukunft mitgestaltet: Das ist Teil unserer DNA und damit auch ein wesentlicher Teil des kontinuierlichen Aufstiegs zum führenden Direktversicherer in Deutschland.

Die Kfz-Versicherung liefert seit Jahren grundsolide Gewinne ab und das wird auch mittelfristig so bleiben. Ist der digitale Wandel in dieser Sparte überhaupt von entscheidender Bedeutung?

Ich denke, der digitale Wandel spielt in jeder Sparte und in jedem Geschäftsfeld eine entscheidende Rolle. Daher würde ich gerne festhalten, dass die Kfz-Versicherung nicht mehr betroffen ist als andere Sparten. Klar ist dagegen, egal was man macht: Wenn man sich nicht auf die Veränderungen einlässt, die die digitale Technologie mit sich bringt, wird man nicht zu denen gehören, die die Zukunft aktiv mitgestalten.

In der Kfz-Versicherung strebt man danach, die Zeit zwischen Schadenmeldung und Regulierung mithilfe Künstlicher Intelligenz zu minimieren. Wie weit sind Sie in diesem Feld vorangeschritten und wie viel wollen Sie investieren?

Schadenbearbeitung ist ein gutes Beispiel für unseren „One Company“-Ansatz. Hier arbeiten wir konzernweit sehr eng zusammen, auch wenn wir dies an verschiedenen Standorten und auf unterschiedlichen Systemen tun. Wir haben hier die verschiedensten Technologien bereits im Einsatz, oder testen diese.

So haben wir beispielsweise im Bereich Automatisierung die Abwicklung von Kfz-Glasbruchschäden weitgehend maschinell gelöst. Darüber hinaus versuchen wir unsere Prozesse durch den Einsatz von Robotertechnik dort zu beschleunigen, wo dies aufgrund von häufig vorkommenden, aber einfachen Geschäftsvorfällen sinnvoll ist, zum Beispiel bei der Beauftragung externer Dienstleister oder bei einfachen Zahlungsvorgängen. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz können hier neben starren Regeln auch komplexe Modelle die Entscheidung für einen Robotereinsatz steuern. So erreichen wir einerseits eine höhere Kundenzufriedenheit durch schnelle Abläufe und schaffen andererseits Freiräume für unsere Mitarbeiter für direkten Kundenservice.

Seit Jahren ist CosmosDirekt der größte Direktversicherer im Land. Wie viel haben zu diesem Aufstieg Vergleichsportale wie Check24 beigetragen?

CosmosDirekt ist nahezu komplett aus eigener Kraft zur Nummer Eins geworden. Fremdvertriebe, wie beispielsweise Check24, machen nur einen kleinen einstelligen Prozentsatz unseres heutigen Bestands aus. Dementsprechend werden wir auch weiterhin unser eigenes Geschäft prioritär vorantreiben. Allerdings sind wir gerade auch dabei, eine eigene Einheit für Kooperationen aufzubauen, um dieses Geschäft noch stärker zu befeuern. Deshalb würde ich mich freuen, von potenziellen Kooperationspartnern zu hören, die mit CosmosDirekt wachsen möchten.

Bereiten Ihnen die neue digitale Konkurrenz Friday und Nexible schlaflose Nächte? Was können diese Newcomer, was CosmosDirekt nicht auch schon kann? Oder sind diese einfach nur günstiger?

Wer mich kennt, weiß, dass ich Cosmos Direkt immer als Deutschlands größtes Fintech bezeichne. Deshalb machen mir die anderen Fintechs keine allzu großen Sorgen. Wir beobachten diese Konkurrenz sehr genau und können uns in der Zukunft hier auch Kooperationen vorstellen. Derzeit ist es interessant zu sehen, was die „traditionellen“ Versicherer so alles machen: Die Initiativen der Branche, so zum Beispiel der neue Internetauftritt einer bayerischen Versicherung, der sogar den Farben einer Cosmos Direkt sehr nahekommt. Solche Themen kommen mir manchmal etwas zu kurz, auch in der Berichterstattung.

Telematik-Produkte haben sich hierzulande bislang nicht durchgesetzt. Braucht es noch Zeit? Oder ticken deutsche Autofahrer anders als die in England oder Italien, wo die Black-Box im Auto schon lange üblich ist. Wie viele Kunden nutzen Ihren Telematik-Tarif?

Als Konzern sind wir in Europa einer der führenden Telematik-Anbieter mit über einer Mio. Telematik-Kunden. In Deutschland sind die Kunden bei diesem Thema allerdings noch etwas zurückhaltender, was ich jedoch als Lernprozess deute. Als Vorreiter smarter Versicherungsprodukte decken wir mit der Generali in Deutschland mit Generali Vitality über Mobility und Domocity bis hin zur Rechtsschutzversicherung mit ID-Protect, bereits fast alle Sparten ab und konnten im vergangenen Jahr über 150.000 Verträge abschließen. Ich persönlich denke, dass Innovationen in Deutschland immer ihre Zeit brauchen: Wir gehören auch in anderen Industrien nicht zu den „Early Adoptern“.

Die Autoindustrie und Versicherer streiten, wer Zugang zu den Daten von autonomen Fahrzeugen erhält, die in einen Unfall verwickelt sind. Für welchen Lösungsansatz plädieren Sie? Ist ein Kompromiss überhaupt möglich?

Da Daten inzwischen einen ökonomischen Wert darstellen, habe ich den einfachen Grundsatz, dass der Kunde die Datenhoheit haben sollte. Er sollte entscheiden dürfen, wer wann seine Daten benutzt und welchen Vorteil das für ihn bedeutet. Beim Thema „sensible Daten“ sollte die Versicherungsbranche ihr Licht nicht so sehr unter den Scheffel stellen, denn wir haben wie kaum eine zweite Branche eine jahrhundertealte Tradition, mit sensiblen Kundendaten verantwortungsvoll und sicher umzugehen. Das könnte meines Erachtens ein interessantes Geschäftsfeld der Zukunft sein.