Erschienen in Ausgabe 11-2018Märkte & Vertrieb

Tausche Risiko, biete Entlastung

Wie die Senkung der Volatilität durch den Einsatz eines versicherungstechnischen Swaps gelingt

Von Fabian Lassen und Markus Eich und Prof. Stefan MaterneVersicherungswirtschaft

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Das Jahr 2017 zeichnete sich durch eine Vielzahl an schweren Naturkatastrophen wie die Hurricanes Harvey, Irma und Maria oder California Wildfires aus – hohe Schadenzahlungen waren die Folge. Die Anzahl an Schadenereignissen und deren Auswirkungen variieren zum Teil stark von Jahr zu JahrDies erschwert die Ergebnisplanung der Versicherer. Aufgrund von sich verändernden Umweltbedingungen, zunehmender Konzentration privatwirtschaftlicher sowie industrieller Werte, steigender Versicherungsdichte und Urbanisierung könnte die Volatilität weiter steigen. Mit dem Ziel, eine Volatilitätsreduzierung zu erreichen, um auch unterjährig Schadenquoten besser vorherzusagen, können sich mehrere Versicherer mit Hilfe eines versicherungstechnischen Swaps zusammenschließen und von einer Zusammenarbeit profitieren. Bedingung hierbei wären voneinander weitgehend unkorrelierte Portfolios. Dem Wesen nach handelt es sich um wechselseitige aktive und passive Rückversicherung (Reziprozität).

Swiss Re und Mitsui Sumitomo vereinbaren weltweit ersten Katastrophen Swap

Die Grundidee sieht vor, dass die Versicherer Portfolios mit unterschiedlichen Gefahren aus unterschiedlichen Regionen in den versicherungstechnischen Swap einbringen. Ziel ist es, eine höhere Risikodiversifikation zu erreichen. Mithilfe des versicherungstechnischen Swaps können versicherungstechnische Zahlungsströme nicht-korrelierter Gefahren mit ähnlicher Wiederkehrperiode ausgeglichen werden. Idealerweise reduziert diese Methode die Ergebnisschwankungen. Dass ein versicherungstechnischer Swap in der Praxis bereits länger Anwendung findet, wird an folgendem Beispiel deutlich. Im August 2003 vereinbarten Swiss Re und Mitsui Sumitomo Insurance of Japan einen der weltweit ersten Katastrophen-Swaps. Dieser Swap zielte auf besonders schwere Ereignisse mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit ab. Mitsui Sumitomo Insurance tauschte dabei potenzielle Versicherungsverluste aus japanischen Taifuns gegen potenzielle Versicherungsverluste aus Nordatlantik-Hurrikans von Swiss Re in Höhe von jeweils 50 Mio US-Dollar. Beide Unternehmen wollten ihr Portfolio durch den Diversifikationseffekt der Transaktion gegen seltene, jedoch teure Naturkatastrophen schützenDas Kerngeschäft der beiden Versicherer blieb von der Transaktion unberührt.[3] Im Gegensatz zu dieser Transaktion zielt der hier vorgestellte versicherungstechnische Swap auf Ereignisse ab, welche in höherer Frequenz auftreten.

Die Funktionsweise soll anhand der folgenden…